Vergessene Wendestücke
Die Bühne erlebte die Revolution schon vier Jahrzehnte vor der Zeit. Vom Sturm auf die Bastille, die das Ancien Régime der französischen Aristokratie aus den Angeln heben sollte, träumten Mitte des 18. Jahrhunderts nicht einmal jene Aufklärer, die das Ohr am Mundwerk des Volkes hatten und alle Pomade aus Sprache und Künsten zu pusten trachteten.
Zweifellos war die von den Enzyklopädisten vom Zaum gebrochene querelle des bouffons, also der Frontalangriff auf die Lufthoheit der tragédie lyrique Lully’scher und Rameau’scher Provenienz, so etwas wie ein Vorklang der politischen und sozialen Umwälzungen, die die grande nation bald gründlich aufmischte. Jean-Jacques Rousseau, der neben Diderot, d’Alembert und Melchior Grimm energischste Wortführer dieser an italienischen Intermezzi (zumal an Pergolesis «La serva padrona») orientierten Opernreform, hatte sogar selbst ein Intermède komponiert, das den Weg in die Zukunft weisen sollte: «Le Devin du Village». Im Oktober 1752 wurde das Werklein uraufgeführt, paradoxerweise am Hof von Fontainebleau. Die Botschaft dieses «Dorfwahrsagers» dürfte dem blaublütigen Publikum (trotz entschärfter Rezitative) kaum gefallen haben: Das Glück geht von ...
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Als die dreizehnjährige Ballettschülerin Edith Aptowitzer am 14. März 1938 zum Unterricht in die Staatsoper will, tritt ihr ein Pförtner in den Weg. «Juden kommen hier nicht rein», erklärt er. Die heute 83-Jährige schildert den Vorfall mit stockender Stimme bei der Pressekonferenz zur Ausstellung der Wiener Staatsoper «70 Jahre danach – Täter, Opfer, Zuschauer»....
Drei verschiedene Höllen hat Puccini in seinem «Trittico» zu einem Inferno der Leidenschaften zusammengestellt, und alle sind sie tödlich: die Eifersuchtstragödie des «Mantels», das verpfuschte Leben der Nonne Angelica und die aus Dantes «Göttlicher Komödie» entlehnte Komödie um den raffgierigen Erbschleicher Gianni Schicchi, die als Auslöser des Tods des alten...
Vilnius’ Renaissance-Schloss ist eine Baustelle. 2009 feiert Litauen das tausendjährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung. Seit 1636 wurden hier Opern aufgeführt. Das heutige Opernhaus stammt von 1974 und erinnert mit seinen riesigen Glasfoyers, die den Blick spektakulär zum Neris-Fluss und zur Stadt hin öffnen, an eine Kreuzung aus Frankfurter Oper und Palast...
