Die Mitte finden
Seine Inszenierungen sorgen regelmäßig für Kontroversen. Weil sie Stoffe, Stücke und Charaktere bis auf den Kern abklopfen. Was bedeuten kann, dass – wie im Fall von Verdis «Traviata» – auf der Bühne nur die Hauptfigur in Erscheinung tritt oder – wie bei Mozarts «Don Giovanni» – der Held durch Abwesenheit glänzt. Es sind radikale Deutungen, die Benedikt von Peter am liebsten im Team entwickelt. Und mit denen er, gerade weil sie als schwierig gelten, das Publikum nicht nur in Luzern mitreißt, dessen Theater er seit 2016 leitet.
2020 wird von Peter ans Theater Basel wechseln. Ein Gespräch über die Magie des leeren Raums, das Glück flacher Hierarchien und die Frage, wie viel Marxismus das (Musik-)Theater verträgt
Herr von Peter, in Schillers «Wilhelm Tell» findet sich der pränietzscheanische Satz «Der Starke ist am mächtigsten allein». Er steht vermutlich diametral zu Ihrem Verständnis von Theater, oder?
Eigentlich fühle ich mich nicht so stark und mächtig - allerdings auf dem Posten des Intendanten häufig ganz schön allein. Mehr und mehr merke ich aber, dass man eine solche «isolierte Machtposition» vermeiden oder sofort auflösen muss. Überhaupt ist Alleinsein etwas, was ich nicht ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Interview, Seite 26
von Jürgen Otten
Warum nur kommen Baraks Brüder eigentlich einarmig, einäugig und bucklig daher? Ganz einfach: Die drei schrundigen Gestalten sind versehrte Veteranen des Ersten Weltkriegs, mittellos heimgekehrt und nun aufgenommen im Unterschichtenhaushalt des Färbers und der Färberin. Brigitte Fassbaender erhellt in ihrer Kieler Inszenierung sogleich das symbolverschwurbelte...
Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014...
Im Anfang ist die wortlose Wollust. Aber sie ist, trotz der versöhnlich dahinströmenden Klänge im Graben, falsch: einseitig, dominant, unnachgiebig. Ein alter Mann beugt sich an einem schlichten Küchentisch über eine viel zu junge, nur mit einer bordeauxroten Bluse bekleidete Frau, bügelt die Wehrlose brachial platt, spreizt ihre Beine und dringt mechanisch auf...
