Comedy mit Köpfchen
Einer fegt. Gegen Ende der neuen Zürcher «Zauberflöte» kehrt jemand den letzten Rest Reisig zusammen, der die Szene noch verunzierte: Ordnung, Sauberkeit, Kultur, wo lange Natur, Wildnis, Urzustand herrschten. Aufgeräumtheit, wo vorher abgeholztes Gestrüpp herumlag. Licht, wo bis dato Feuer war. Und das von Bühnenbildner Klaus Grünberg zentral platzierte Haus, das dank Drehbühne immerzu von allen Seiten zu sehen ist, präsentiert sich nicht mehr wie eine vom Pleitegeier befallene Baustelle.
Es ist fertig, hat statt Luken richtige Fenster mit trauten Lämpchen dahinter, und Sarastros Auserwählte frönen, jeweils selbzweit, der heimeligen Gemütlichkeit. Wir haben es anscheinend mit dem Domizil der Weisheit, des Verstandes, der Vernunft zu tun. Gewiss, nicht alle Spuren einer unguten Vergangenheit mit Arroganz und Willkür der herrschenden Kaste, mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit sind getilgt, aber man ist unterwegs. Ein Schritt hin zur Aufklärung ist getan.
Der vergleichsweise junge Sarastro mit seinen Planzeichnungen ist der Architekt dieses Neubaus. In Joppe, Pullover, mit offenem Hemdkragen (Kostüme: Silke Willrett) erscheint er als nachdenklicher Mensch, als einer, der auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Heinz W. Koch
Wenn heute jemand eine Neuaufnahme von Schuberts «Winterreise» wagt, sollte er gute Gründe haben. Handelt es sich doch um den wahrscheinlich meisteingespielten Liedzyklus; eine neue Aufnahme wirkt schnell so überflüssig wie ein Kropf, wenn sie nicht Ausnahmerang gewinnt. Der Tenor Daniel Behle wagt gar zwei Einspielungen in einem Album – und hat überzeugende...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752275
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 12.01.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Das ungeliebte Frühwerk» – der Titel übertreibt nicht. Und «Das Liebesverbot», ohnehin nicht zum Bayreuther Kanon gehörig, ist unter Wagners Frühwerken nochmals in besonderer Weise ungeliebt. Mögen sich die «Feen» auf die späteren romantischen Opern beziehen lassen und «Rienzi» eine gattungsgeschichtlich interessante Brücke zur Grand opéra schlagen (von der sich...
