Hatschi!
Rechts steckt die Dame vom Sicherheitsdienst ihre Nase in den Rucksack eines Studenten. Ein Riesenriechorgan aus Latex. Und links an der Saaltür blitzen von der Schulter des Programmverkäufers goldene Epauletten: Das Einlasspersonal, das die schnatternden Massen durch das baubedingt unübersichtliche Foyer schleust, stimmt schon mal auf Schostakowitschs «Nase» ein.
An Covent Garden muss heute kein Blumenkohlfeld bestellt werden, schimmert kein Silbersee. In dieser student performance sitzen fast ausnahmslos Zuschauer zwischen 18 und 28 Jahren. Ein beinahe surreal junges Publikum.
Dazu die erste Oper eines 22-Jährigen, die an Covent Garden noch nie gespielt wurde – durchs Royal Opera House weht an diesem Abend ein frischer Wind.
Weil in der «Nase» wie im Zirkus eine Nummer die andere jagt, hat Bühnenbildner Klaus Grünberg aus der Szene eine Manege gemacht. Die Rückwand schlägt einen steilen Bogen, in der Mitte ragt ein kreisrundes Podium auf. Darauf der Barbier, der mit mächtigen Schwüngen seine Klinge wetzt und dem feixenden Assessor Kowaljow den Schädel schert, bis die blankgeputzte Platte mit den Brillengläsern um die Wette glänzt. Der arrogante Beamte hat freilich schon bald ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Wiebke Roloff
Secco-Rezitative? Frauen in Hosenrollen? Im Neapel des frühen 19. Jahrhunderts galt das schon als altmodisch, jedenfalls an den kleineren Theatern. Man zog den Mezzos hohe Tenöre vor, an die Stelle der Rezitative traten gesprochene Dialoge – wie im Singspiel oder der Opéra comique, bloß im neapolitanischen Dialekt. Für die Premiere von «Olivo e Pasquale» 1827...
Ob das womöglich die beste britische Oper seit Jahren sei, fragte sich eine Rezensentin von «Opera today» 2014 anlässlich der Uraufführung von Luke Bedfords Kammeroper «Through His Teeth» im Linbury Studio an Londons Covent Garden. Wie überhaupt die Kritiker Begeisterung zeigten angesichts dieses kleinen Werks, das ursprünglich nur eine Art Beiprogramm zur...
Antonio Salieri ist immer noch nicht rehabilitiert, einzelnen Versuchen wie Cecilia Bartolis Arien-Album zum Trotz. Warum?
Mir ist das ein Rätsel. In «La scuola de’ gelosi» hat Salieri einen Schwung, der zum tradierten Bild eines verknöchert-asketischen alten Mannes überhaupt nicht passt. Das in Venedig uraufgeführte Stück war ein Riesenerfolg – mit mehr als 70...
