Opern-Schredderer
Das letzte Opern-Tabu hat einen Namen: David Marton. An der Treue zum Notentext nämlich, an der Form der Werke, hat selbst die vom sogenannten Regietheater revolutionierte Oper bislang nicht gerüttelt. Marton schon.
Selbst bei der Länge der Werke tendiert die Gegenwart, die zugleich szenisch immer stärker dekonstruiert, zu gesteigerter Nibelungentreue zum Original. Striche werden eher wieder aufgemacht, um der Gestalt des Werkes und womöglich dem Willen des Komponisten noch näher zu kommen.
Paradox, aber wahr: Was auf der Bühne an «Werktreue» offensiv verweigert wird, das übererfüllen wir im Graben umso bereitwilliger. Die Kehrseite des Regietheaters ist die Heiligsprechung der Musik in Gestalt der allein seligmachenden Partitur.
So ist es kein Zufall, dass der bislang einzige Regisseur, der nicht nur szenisch die Handlungsabläufe reformuliert, sondern auch musikalisch Kleinholz macht, zwar ausnehmend oft an Schauspielhäusern Opern inszeniert hat. Die Musiktheater selbst aber trauen sich an diesen Satansbraten nicht heran. David Marton, geboren 1975 in Budapest, ist der musikalische Opern-Schredderer schlechthin. Als solcher wurde der Ex-Assistent von Frank Castorf und Christoph ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Kai Luehrs-Kaiser
In Oldenburg hat man schon immer ein besonderes Gespür für die musikalische Moderne bewiesen. Legendär ist die Aufführung des Berg’schen «Wozzeck» in der Spielzeit 1928/29, die dem vielfach angefeindeten Werk den Weg in die sogenannte Provinz eröffnete. Schon einige Jahre vorher hatte das Oldenburger Landestheater, wie es damals hieß, eine gute Nase für...
Auch größte Mozart-Liebhaber – sind wir das nicht irgendwo alle? – haben an dieser Geschichte gezweifelt. Dass zwei Freunde ihre beiden Verlobten verlassen, um ihre Treue zu prüfen, weil sie darauf eine Wette eingegangen sind, mag man ja noch glauben. Dass sie verkleidet zurückkehren und den beiden Schwestern den Hof machen – und zwar der jeweils anderen – mit...
«Eine feinere Operette» wollte Richard Strauss nach eigenem Geständnis mit »Die Liebe der Danae» schaffen, etwas Leichtes, «preziös» Ironisches in der Nachfolge Offenbachs. Bereits 1920 hatte ihm Hugo von Hofmannsthal einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, aber da zeigte sich der Komponist noch uninteressiert. Man kann nur spekulieren, wie diese Oper ausgesehen...
