Mal ehrlich Mai 2018
Die letzten Wochen habe ich in Glasgow verbracht, als Monsieur Triquet in «Eugen Onegin» an der Scottish Opera. Mein erster Tag ließ sich zunächst gut an. Ich fand den Dirigenten mit ein paar Korrepetitoren vor. Der Bass, der Gremin singt, war gerade fertig und am Aufbrechen; weil wir alte Freunde sind, gab es die obligatorischen Albernheiten und viel Gelächter.
Normalerweise geht es in der ersten musikalischen Probe ziemlich angespannt zu. Vor allem, wenn man mit dem Dirigenten noch nie gearbeitet hat, fühlt es sich wie Vorsingen an.
Was verbirgt sich hinter der guten Miene, fragt man sich; was denkt der Mann? Geht er im Kopf schon sein Adressbuch durch, auf der Suche nach Ersatz: «Ist das alles, was der Kerl drauf hat?»
Diesmal war ich – nach besagter freundlicher Begrüßung – eigentlich ganz locker. Gremin verabschiedete sich, ich machte mich bereit. Der Dirigent griff zum Stab, der Pianist klimperte ein paar Einleitungstakte. Schon näselte ich los, in schwer französisch gefärbtem Englisch: «By chance, I ’ave wiz me a song ...» Der Dirigent starrte mich ungläubig an. Seine Hand blieb in der Luft stehen, dem Pianist entglitten die Tasten. Mir schoss das Blut ins Gesicht. War ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 79
von Christopher Gillett
Nicht im Opernhaus, sondern im Audimax der Bochumer Ruhr-Universität hat Peter P. Pachl in Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur und der Internationalen Siegfried Wagner Gesellschaft dessen Märchenoper «An Allem ist Hütchen schuld!» auf die improvisierte Bühne gebracht und abermals eine Lanze für den unterschätzten Sohn Richard Wagners gebrochen.
Siegfried –...
«Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten verteidigte Janáček seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos. Er führt sie uns fast die ganze Oper hindurch vor, wie sie von außen gesehen wird: in bizarren Klangbildern,...
Die Umstände sprechen eigentlich dagegen. Die Lage – eineinhalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die dürftige Parkplatz-Situation. Der kleine, schwer zu findende Shuttlebus vom nahen Einkaufszentrum. Dazu eine Industriehalle, die zwar mit Bar, Sitz- und Steh-Ecken im Foyer aufgehübscht wurde, die aber für große Oper zu niedrig ist. Und doch: 60 000 Zuschauer im...
