Im Austausch mit der Welt
Das Wesentliche lässt sich nicht immer in Worte meißeln, Auslassungen sind auch in der Kunst nicht das Schlechteste. Drei rosa Punkte leuchten an der Fassade des Luzerner Theaters, das mit diesem Signet seinen 175. Geburtstag markiert. Die Pfiffigkeit, mit der gefeiert wird, ist bezeichnend dafür, wie der Intendant Dominique Mentha das Haus auf Vordermann gebracht hat. Mit klugen Überraschungen – ohne in künstlerischem Grimm sein zahlendes Publikum ganz aus der Komfortzone zu verjagen.
Im Großen Haus inszeniert Holger Müller-Brandes Richard Strauss’ «Ariadne auf Naxos».
Dafür hat Philipp Fürhofer eine Spiegelwand eingezogen, die einen Blick hinter die Kulissen erlaubt, auf Technik, Beleuchtung: Theater als Kollektivschöpfung, als Ort widerstreitender Ideen und Konzepte, auch des Chaos, der Eitelkeiten und Spleens.
Durfte man eine Oper wie «Ariadne» überhaupt in Weltkriegszeiten schreiben? Müller-
Brandes’ Antwort lässt keine Zweifel: Seine Buffa-Truppe kommt direkt aus den Schützengräben des Weltkriegs gekrochen, und Zerbinettas Kunst – was soll man sagen? Das Frontleben macht genügsam, alles gipfelt in einer kalkuliert hilflosen Revue mit Stahlhelm und Federkrone. Die kompromisslose ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Clemens Prokop
Lior Navok assoziiert mit «Fluss» nicht Lethe, sondern Ähnliches wie Henze in «Wir erreichen den Fluss» (1975) – eine symbolhafte Grenze von Lebenssphären. Sehr viel konkreter bezeichnet der israelische Komponist (Jahrgang 1971) den Fluss überdies als das trennende und verbindende Element zweier verfeindeter Völker (mit dem von beiden Seiten begehrten Wasser), und...
Frau Sobotka, die Bregenzer Festspiele standen immer unter einem Motto. Sie verzichten jetzt darauf. Warum?
Weil das die Gestaltungsmöglichkeiten einengt. Ich möchte die Entwicklung des Programms offen halten. Wichtiger als Konzepte oder thematische Leitmotive sind für mich Gespräche mit Künstlern und die Auseinandersetzung mit Stücken.
Stefan Herheim wird im...
Der 1979 geborene englische Countertenor Iestyn Davies ließ in den letzten Jahren immer wieder aufhorchen. Während er im angloamerikanischen Bereich bereits einen Namen besitzt und schon zweimal mit dem begehrten «Gramophone Award» ausgezeichnet wurde, ist er hierzulande noch wenig bekannt – 2013 sang er bei den Münchner Festspielen in George Benjamins Oper...
