Nur die Musik glüht
Wie Schillers Schauspiel ist auch Verdis «Don Carlos» ein Liebes- und Familiendrama in den Dimensionen einer politischen Tragödie. Christof Hetzers Bühne für die Stuttgarter Neuinszenierung zeigt einen leeren, nach allen drei Seiten abgeschlossenen Raum, den der Lichtgestalter Alex Brok oft in ein diffus glimmendes Dunkel hüllt. Dominiert und strukturiert wird er durch eine hohe, schwarze, sich immer wieder nach vorne schiebende Wand, die das Öffentliche vom Privaten trennt.
Eine glänzende Idee, die allerdings nicht aufgeht, weil Regisseurin Lotte de Beer die Dramaturgie von Verdis pessimistischstem Werk umdreht. Agieren bei Verdi alle Personen zwar im Bezugsrahmen der Politik, aber aus privaten, emotionalen Gründen, so schrumpfen sie hier zu Schachfiguren einer in einem Fantasie-Spanien der nahen Zukunft angesiedelten religiösen Diktatur. Das verkleinert sie und nimmt ihnen die tragische Fallhöhe.
Carlos ist ein zuckender, schizophrener Autist, der Psychopharmaka schluckt; Posa ein smarter, revolutionäre Sprüche klopfender Narzisst, der sich schnell vom Establishment korrumpieren lässt; König Philipp eine Marionette in den Händen des zynischen Großinquisitors – seine ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
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Schon sein erster Ausflug ins Reich der Operette war ein Riesenerfolg. Das 2014 veröffentlichte Album «Du bist die Welt für mich» verkaufte sich 215 000-mal. Weil sich Jonas Kaufmann auf die Jahre 1925 bis 1935 beschränkte, also auf die bronzene Ära des Genres, hatte Sony damals vor allem den deutschsprachigen Markt im Blick. Jetzt aber ist die ganze Welt die...
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