Zu Unrecht?
Als Musikhistoriker freue ich mich über jede Ausgrabung, Neugier gehört zum Beruf. Die Nagelprobe auf den Brettern erlaubt es, eine Oper ganz anders kennenzulernen als durch das Lesen der Noten.
Da man aber unmöglich alles ausgraben kann, stellt sich – wie überall im Leben – die Frage der Prioritäten. Die Phrase von «zu Unrecht» vergessenen Werken hilft dabei nicht weiter. Zwar zielt sie auf ein wirkliches Problem.
Denn die Auswahlkriterien unseres Musikbetriebs haben beileibe nicht nur mit kompositorischer Qualität zu tun: Mercadante komponierte um einiges differenzierter als der frühe Verdi, manche Streichquartette Pleyels oder Jadins sind viel feiner gearbeitet als solche des jungen Mozart, und die Partituren Hindemiths darf man bedenkenlos schwächeren Stücken von Kurt Weill vorziehen.
Dennoch ist der Begriff des «Unrechts» in Bezug auf historische Sachverhalte erbärmlich schief. Noch nie habe ich gelesen, Rom sei 1527 «zu Unrecht» geplündert oder Schaffhausen 1943 «zu Unrecht» bombardiert worden. Die Brutalität des Krieges wie die Tatsache, dass politische Geschichte mit Gerechtigkeit weniger als wenig zu tun hat, sind zu offensichtlich, als dass man eigens darauf hinweisen ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Einspruch aus dem Elfenbeinturm, Seite 71
von Anselm Gerhard
Was ist denn das für eine Attentäterin? Anstatt das zu tun, wozu sie gekommen ist, nämlich den Diktator umzulegen, lässt sie sich von ihm betören – und wirft sich schließlich sogar in die Schusslinie, als die Gattin des Despoten das vollenden will, was sie nicht konnte. Ernst Krenek hat den nur 30 Minuten langen Einakter «Der Diktator», dessen Handlung seltsam...
Schnell, geradezu unweigerlich fühlt man sich durch den «Spieler» in die Sphäre einer Theatralik des Absurden versetzt. Noch über den klinisch-pathologischen Befund einer alle Fibern der Existenz erfassenden Sucht hinaus wird die Universalisierung des «Spiels» in diesem von Sergej Prokofjew selbst in Librettoform gebrachten Dostojewski-Stoff zur Metapher für eine...
Jubilare
Michel Brodard wurde 1946 in Fribourg/Schweiz geboren und studierte Gesang am Konservatorium seiner Heimatstadt. Nach seinem Abschluss mit dem Prädikat «summa cum laude» begann er eine rege Konzerttätigkeit, die ihn u. a. durch die Schweiz, nach Deutschland, Frankreich sowie nach Argentinien führte – vor allem als Interpret von Oratorien, Passionen und...
