Zweierbeziehungen
Acht Personen, die niemals zusammen auf der Bühne stehen: für ein chorloses fünfstündiges Werk bedeutet das durchaus die Konstellation einer Kammeroper, wenngleich das Getöse der Schmiedelieder und das Schlussduett diesen Aspekt konterkarieren und mit den Schicksalswettern der dritten Orchestereinleitung gleichsam die «Götterdämmerung» ernstlich-eschatologisch anhebt. Es war, als stellte der Frankfurter GMD und «Siegfried»-Dirigent Sebastian Weigle die zwölfjährige Schaffenspause und die Ambivalenzen dieser «Ring»-Station in den Mittelpunkt seiner Interpretation.
Die Naturklänge, die Märchentöne der ersten beiden Akte blühten farbenfroh oder in lyrischer Versunkenheit auf, und die Bedächtigkeit des Vortrags tendierte manchmal (etwa, wenn die solistische Basstuba beteiligt war) geradezu zum senza tempo. Drastisch-groteske Anschärfungen wurden wirkungsvoll kontrastierend danebengesetzt, ohne dass jemals forcierte Dramatik evoziert worden wäre. Unterm Strich ergaben sich bedeutende Aktlängen sowie viele sonst vom Gesamtsog verschlungene Einzelheiten, die nun deutlich ausgespielt, sogar herauspräpariert erschienen. Und dennoch niemals Motivpaukerei, sondern ein breit ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
Um Carl Orff ist es still geworden – mit Ausnahme des Welterfolgs der «Carmina Burana», und der findet nicht auf dem Theater statt. Blättert man die aktuellen Spielpläne der deutschsprachigen Opernhäuser im Jahrbuch «Oper 2011» dieser Zeitschrift durch, so ist das Ergebnis weitgehend Fehlanzeige. Mit Ausnahme Darmstadts, wo John Dew seit Jahren Orff spielt und...
Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.
Eines bedingt das andere. Und beides braucht...
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
