Wechselspiele
In Nancy gibt es im Museum, gleich gegenüber der Oper an der barocken Place Stanislas, ein Bild des von Apoll lorbeergekrönten Kastraten Marc’Antonio Pasqualini (1614-1691), der in Rom mit Kardinal Antonio Barberini ein Verhältnis hatte. So weisen die pikanten römischen Zustände der Barockoper bis ins Heute. Und in der Opéra de Lorraine werden jene immer noch ziemlich im Geschichtsdunkel verhüllten Umstände verhandelt, die noch ein Jahrhundert später dem Musiktheater in der Stadt des Papstes eine besondere Stellung sicherten.
Besonders die Tatsache, dass hier häufig nur Männer auf der Bühne standen, auch in den Frauenrollen.
Zwar sah man damals Gendergrenzen etwas lockerer, auf der Bühne sangen Kastraten auch Königinnen, Star-Sopranistinnen produzierten sich als Potentaten, und häufig gab es in den Stücken zwischen den Geschlechtern weitere Verkleidungs- und Verwechslungsebenen. Wenn in Rom aber mal wieder Reue herrschte, weil man es zu toll getrieben hatte, dann fegte eine päpstliche Bulle die Damen von der Szene, und die Kastraten mussten übernehmen.
So wie in Leonardo Vincis «Artaserse» von 1730, einer der berühmtesten römischen Opern, für die wiederum Pietro Metastasio, der ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Manuel Brug
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