Brüder im Geiste
Draußen vor der Helmut-List Halle, in einem an Sultan Saladins Zeiten erinnernden Zelt, prangt das Logo eines Energie versprechenden Prickeldrinks. Doch wer braucht hier ein Aufputschmittel? Wohnt nicht jeder Harnoncourt-Premiere ohnehin ein Prickeln inne, zumal, wenn es sich um Offenbach handelt? Beide Herrschaften verbindet ja mehr als das Cellospiel und die Mitgliedschaft bei der Légion d’honneur.
Seit Langem begeistert der Grazer Maestro, dessen voller Name Nikolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt auf seine gallischen – genauer: lothringischen Wurzeln – verweist, sich für den deutsch-französischen Maître der Bouffes-Parisiens. Aufführungen von «La belle Hélène» und «La Périchole» (beide in den 1990er-Jahren in Zürich) sowie der «Grande-Duchesse de Gérolstein» (vor zehn Jahren in Graz) belegten dies mit Verve. Nun nahm Nikolaus Harnoncourt sich im Zeichen des diesjährigen Styriarte-Mottos «Gefährliche Liebschaften» Offenbachs «Barbe-Bleue» vor, eine köstliche Verhohnepipelung der Legende vom nuptialen Serienmörder.
Das Publikum der Uraufführung am 5. Februar 1866 im Théâtre des Variétés in Paris war freilich eher verstört. Und auch danach konnte sich das Stück ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché
Terence Blanchards Opernerstling «Champion», im Juni von der Kompanie des Opera Theatre of Saint Louis uraufgeführt, ist ein musikalisch wie thematisch gleichermaßen ambitioniertes Werk. Gemeinsam mit dem Dramatiker und Filmemacher Michael Cristofer erzählt der berühmte Jazz-Trompeter, der als Komponist bis dato vor allem mit Film- und Theatermusiken in Erscheinung...
Sie haben sich respektiert. Geistesverwandte waren sie nicht. Karlheinz Stockhausen, der katholisch sozialisierte Klangmystiker aus dem Bergischen Land, und Luciano Berio, der sinnlich-sonnige Gefühlsharmoniker aus Ligurien. Und doch gab es auch Verbindendes – nicht nur den Gedankenaustausch in Darmstadt, von dem ein bekanntes Foto aus dem Jahr 1956 zeugt: die...
Auf der Bühne des Berliner Radialsystems V ist, abgesehen von den Musikern, keiner unter sechzig: In «Dem Weggehen zugewandt», einem Projekt von Union Universal und dem Solisten-ensemble Kaleidoskop, geht es um Alter, körperliches Versagen, Demenz, Tod. Sechs Darsteller, die mit den Streichinstrumenten feste Beziehungen eingehen, rezitieren teils klischeehafte,...
