Chapeau!
Täuscht es, oder hat Jules Massenet die Aktschlüsse seiner Werke tatsächlich zum Reinklatschen komponiert? In Paris funktioniert es. Die letzten Takte des «Cid» gehen bruchlos im Jubel eines kompositorisch zum Klatschen verleiteten Publikums auf. Man dürfte früher noch stärker derlei Ritualen gefolgt sein – als man sie noch gewohnt war. Der letzte «Cid», nachdem das Werk 1885 mit Jean de Reszke in der Titelrolle hier uraufgeführt wurde, stand 1919 auf dem Spielplan des Palais Garnier.
Über viele Jahrzehnte hatte man die eigene Tradition brachliegen lassen, nun stand in Frankreichs Kapitale die Wiederentdeckung von gleich zwei bedeutenden Werken aus dem 19. Jahrhundert an.
Beginnen wir mit Massenet. Zu lange wurde der technisch zuverlässigste Konfektionär der Belle Époque als Ausweichlager für italienische Sänger missbraucht, denen es auf dem eigenen Felde zu langweilig geworden war. Genau genommen, denkt man beim «Cid» heute an Plácido Domingo oder José Cura, die dem maurenzwingenden Heerführer das richtige Hispano-Heißblut, nicht aber die französische «clarté» leihen konnten. Das merkt rasch, wer Roberto Alagna – in Frankreich geboren und aufgewachsen – bei seinem zweiten Übertritt ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Kai Luehrs-Kaiser
Am Ende wurde gespart. Leider. Denn ein Buch wie dieses verdient ein Register. Man möchte gern nochmals nachschlagen, will vergleichen. Doch das funktioniert nur, wenn man beim Lesen selbst einen Zettel mit Stichworten füllt. Dabei ist dieses Buch so reich an Thesen und Beobachtungen, an streitbaren und unzweideutigen. Einige Beispiele: «Es wird viel zu häufig von...
Wenn das so weitergeht, dürfte er irgendwann die Gestik ganz einstellen. Ein aufmunternder Blick, ein Handgelenksschlenker, im Ernstfall eine hochgezogene Augenbraue, das könnte dann reichen. Immer sparsamer wirkt das, was Christian Thielemann auf dem Podium macht: Die Verklärung des Handwerks hat bei ihm schon jetzt eine sehr entscheidende, sehr sichtbare Stufe...
Wenn nur das Glied nicht wäre, das da mit bacchantischer Heiterkeit über einer Feuertonne gegrillt wird. Überhaupt Hippolyts Kastration, die Artemis im Zuge der «Gliederrenke» an ihm vornimmt, die umgeschnallten Silikonbrüste. Das gehört zu diesen Dingen, die «keiner sehen will». Eine Henze-Oper, das ist eigentlich schon schwer genug. In der dritten Vorstellung von...
