Angela Steinsiek (Hrsg.): Richard Wagner. Sämtliche Briefe, Band 25: Briefe des Jahres 1873. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017. 694 Seiten, 64 Euro
Pleitegeier über dem Festspielhaus
Bevor Wagner in Wahnfried einziehen und das Festspielhaus in Dienst nehmen konnte – er arbeitete damals an der Instrumentation der «Götterdämmerung» –, hatte er mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie hallen in den (mindestens) 321 Briefen nach, die der Komponist 1873 schrieb. Mit dem 25. der auf 35 Bände angelegten Ausgabe sämtlicher Briefe Wagners ist man in jenem Jahr angelangt, in dem der Pleitegeier über dem Bayreuther Festspielunternehmen schwebte.
In den Schreiben ist wenig von Kunst die Rede, umso mehr von der Bürokratie auf den Baustellen Wahnfried und Festspielhaus. Wieder haben die Herausgeber bislang unbekannte Briefe ans Licht gezogen: Sechs Dokumente waren noch nicht ermittelt, als 1998 ein Verzeichnis aller Wagner-Briefe veröffentlicht wurde. Vier dieser Schreiben sind an König Ludwigs Hofsekretär Lorenz von Düfflipp gerichtet – sie erweitern unsere Vorstellung von der freundlichen Beziehung, die Wagner zu seinem Verbindungsmann in München unterhielt, etwa wenn er sich am 3. Juni für die Gnade bedankt, demnächst durch eine eigene Tür vom Wahnfried-Grundstück in den Bayreuther Hofgarten zu gelangen.
Doch vor allem kreisen die Briefe um profane ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 33
von Frank Piontek
Bei Titeln wie «Lieder im Volkston» mag man sich an ein Wort – oder: eine Warnung – von Bertolt Brecht erinnern: «Das Volk ist nicht tümlich.» Sollte Brecht das Volk ... überschätzt haben? Unter dem Titel «Im Volkston» veröffentlichte der Berliner Verlag Anfang des vorigen Jahrhunderts drei Sammlungen von «komponierten Volksliedern» – eigentlich eine contradictio...
Im Herbst 2016 veröffentlichte die amerikanische Mezzosopranistin Susanne Mentzer im Online-Journal «Huffington Post» einen bemerkenswert offenen Text über ihre Erfahrungen im Musikbusiness. Über die gern beschwiegene Praxis etwa, dass Sängerinnen im Schnitt niedrigere Gagen erhalten als ihre männlichen Kollegen, selbst wenn die Aufgaben – Umfang und...
Um «Don Giovanni» grundstürzend neu zu hören, muss man nicht zu Teodor Currentzis in den Ural oder zu Jérémie Rhorer nach Aix reisen. Heidelberg tut’s auch. Was Elias Grandy und sein Orchester dort aus der Oper aller Opern herauskitzeln, putzt auf ähnlich atemberaubende Weise die Ohren aus, lässt uns Mozarts Musik ganz neu hören. Grandy schärft die dynamischen...
