Der Stimme folgen
Nicht einmal Verehrer wussten davon, als Julia Varady sich von der Bühne zurückzog – mit einer völlig intakten Stimme. Ende 2003 war das. Im Jahr zuvor hatte sie «Edgar» aufgenommen und konnte als Fidelia klingen wie das junge Mädchen, das sich Puccini vorgestellt hat (siehe OW 9-10/2003). Vierzig Jahre öffentlichen Singens lagen da hinter ihr. Man hört es nicht. Oder besser: Man hört es nur als Summe einer gewachsenen künstlerischen Erfahrung, die sich als Flexibilität äußert.
Am Konservatorium von Klausenburg (Rumänien) wurde sie zunächst für einen Mezzo gehalten, hatte aber auch mit der Königin der Nacht keine Schwierigkeiten. Ihre großen Mozart- und Verdi-Partien hat sie früh erarbeitet, war aber klug genug abzuwägen, wann sie welche davon auf der Bühne sang – und wie oft. «Die Stimme wählt von selbst ihren Weg. Man muss nur aufmerksam folgen», heißt ihr Credo. Dabei ist sie keine Sängerin gewesen, die sich auf der Bühne geschont hätte. Das Sich-Ausliefern an eine Rolle, eine Produktion, eine Gesamtleistung ist immer ihr Markenzeichen gewesen. Und diese Bereitschaft blieb auch bei ungewöhnlichen Produktionen bestehen. Hans Neuenfels stimmt in seinen gerade erschienenen Memoiren ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Jubilare I, Seite 81
von Stephan Mösch
Im Licht von John Cage und Fluxus verkündete Heinz-Klaus Metzger, deutscher Chefpropagandist der musikalischen Avantgarde, vor Jahren: Nur solche Musik sei heute noch Musik, die keine Musik sei, während Musik, die Musik sei, keine Musik sei. Was am Sonntagnachmittag des 24. Juli in der Salzburger Altstadt, in der an Mitwirkenden bislang umfangreichsten Aufführung...
Er muss ein verrückter Vogel gewesen sein, der Kontrabass-Virtuose, Dirigent und Komponist Giovanni Bottesini (1821–1889), der auf seinem Instrument schon in jungen Jahren mit dem Geiger Paganini verglichen wurde und bei seinen Auftritten ein ebensolches Fieber hervorrief wie dieser oder zeitgleich Liszt als Pianist. Unermüdlich reiste er durch die halbe Welt,...
«Alles steht und fällt mit der Medea» – eine Binsenweisheit für jede Aufführung von Euripides’ Tragödie. Sie gilt natürlich auch für Luigi Cherubinis gleichnamige Oper von 1797. Francesca Zambello, Intendantin des Glimmerglass Festivals, traf eine glänzende Wahl, indem sie mit Alexandra Deshorties eine bemerkenswerte Sängerdarstellerin engagierte. Die Stimme der...
