Strahlende Einfälle
Endlich einmal dürfen die Musikkritiker ihren Arbeitsauftrag als Geigerzähler beim Wort nehmen, denn in dieser Opernnovität geht es – vordergründig? – um Atomstrahlung und andere Verheerungen. Wenn John Adams in Sachen J. Robert Oppenheimer zum Komponiergriffel greift (oder zum Computer-Keyboard), dann schlagen diesmal Physikerherzen höher, denn hier kommt zum Quartensprung der Quantensprung und zum Dreiklang der Dreisatz. Beherrscht sonst eher die Metaphysik die Opernbühne, so sind diesmal die Ingenieure des Weltenbaus die Helden. Im Opernhaus von San Francisco erweist sich «Dr.
Atomic» (alias J. Robert Oppenheimer) zwar als erfolgsorientierter Technokrat, der vor allem seinen Auftrag erfüllen und alle Verantwortung den Entscheidungsträgern in der Politik überlassen will.
Doch so ganz zum technologischen Erfüllungsgehilfen mag Peter Sellars, der Mitinitiator, Librettist und Uraufführungsregisseur dieser Oper, den Titelhelden dann doch nicht machen. Also schreibt er Oppenheimer in seinem Libretto, das er aus denkbar heterogenen Quellen zusammengefügt hat, einen großen Monolog, in dem der Physiker mit Zitaten aus dem «Holy Sonnet XIV» des Dichters John Donne in d-moll mit sich und ...
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Ich scheine dafür prädestiniert zu sein, Opern zu schreiben, die nie aufgeführt werden.» Diesen Stoßseufzer seines Librettisten Johan Henrik Kellgren, der haarscharf voraussagte, was mehr als zweihundert Jahre danach noch immer Gültigkeit besitzt, hätte auch der Komponist Joseph Martin Kraus selbst äußern können. Immerhin ist das Mozart-Mega-Jahr 2006 zu einem...
Schumann. Er erinnert an Robert Schumann, ein bisschen. Nicht physiognomisch, dafür ist er viel zu schlaksig. Auch ist nicht bekannt, dass Schumann sich der Welt je unrasiert gezeigt hätte. Nein, vor allem das Tempo ist es, das Tempo einer Schumann-Sonate: so rasch wie möglich. Und eben diese Spielanweisung scheint es irgendwo im Hinterkopf dieses erstaunlich...
Herr Schreiber, Sie haben die Arbeit an Ihrem «Opernführer für Fortgeschrittene», die im Sommer mit der Fertigstellung des fünften Bandes zum Abschluss gekommen ist, vor einem Vierteljahrhundert aufgenommen. Was hat Sie ursprünglich auf die Idee gebracht, sich ein solches Mammutprojekt vorzunehmen?
Die Idee kam 1980 von der Büchergilde Gutenberg. Deren Cheflektor...
