Mit vollem Risiko

Wagners «Tannhäuser» von den Bayreuther Festspielen 1961 unter Wolfgang Sawallisch

Opernwelt - Logo

Es ist eine seit Jahrzehnten, erst auf Langspielplatte, dann auf CD vertriebene Referenzaufnahme: «Tannhäuser» wurde 1962 bei den Bayreuther Festspielen unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch mit­geschnitten, Wolfgang Windgassen sang die Titelpartie, Anja Silja die Elisabeth, Grace Bumbry war die berühmte «Schwarze Venus», Eberhard Wächter der Wolfram.

Die Premiere von Wieland Wagners (zweiter) Bayreuther Inszenierung fand jedoch 1961 statt – mit leicht, aber entscheidend veränderter Besetzung, zu der Victoria de los Angeles als Elisabeth und Dietrich Fischer-Dieskau als Wolfram gehörten. Ein Mitschnitt der Premiere von 1961 kursierte bislang auf dem Graumarkt. Nun hat das Label Orfeo in Zusammenarbeit mit den Festspielen einen Rundfunkmitschnitt vom 3. August 1961 herausgebracht, der bislang nicht zugänglich war.

Ein wichtiger Baustein der Bayreuther Diskografie. Wolfgang Sawallisch gelang nämlich an jenem Abend eine überaus plastische Interpretation, die gegenüber der Fassung von 1962 risikoreicher und theatralisch knisternder ausfiel. Schon beim ersten Erklingen des Pilgerchores – in der Ouvertüre – scheint das Orchester zu sprechen. Bis zum großen Chorfinale dominiert die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Editorial

Wer alles auf eine Karte setzt, handelt meist aus purer Verzweiflung. Dass die Sache mit dem Trumpf, der mit einem Stich alle Probleme löst, meist schiefgeht, ist keine grundstürzend neue Erkenntnis. Und doch scheint die Hoffnung auf den einen großen Befreiungsschlag unwiderstehlich. Sie gedeiht besonders gut, wenn einem die Schwierigkeiten über den Kopf zu wachsen...

Ein Fest des totalen Theaters

Sterbehilfe am laufenden Band: Müde Menschen stehen Schlange beim industriellen Töten auf Verlangen. Hilfskräfte stülpen ihnen milchblaue Kittel über. Dann gibt es einen elektrischen Schlag, sie fallen auf einen Haufen. Dieser Schlachthof in Rom ist eine Goldgrube, die Nachfrage größer als das Angebot. Unter den Wolken muss die Müdigkeit grenzenlos sein. Die...

Lebensmüde

Im Jahr 1925 nahm sich der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Palante in der bretonischen Kleinstadt Saint-Brieuc das Leben. Ein spätes Nachbeben dieser Tat hat nun die Opernbühne erreicht. Bereits 1935 hatte Louis Guilloux seinem Lehrer, der eine anarchistisch-individualistische Lebensauffassung vertrat, mit dem autobiografisch gefärbten Roman...