Menschenkäfig
Der 1724 entstandene «Tamerlano» ist Händels finsterste, kühnste Oper, ihr Ausgangspunkt ein historisches Ereignis: der Kriegszug des Mongolen-Khans Tamerlan, der 1402 den türkischen Sultan Bajazet besiegte und diesen dann in einem Käfig mit sich führte. Der amerikanische Regisseur R. B. Schlather und sein Bühnenbildner Paul Steinberg greifen diesen Ausgangspunkt der ansonsten in allen Details frei erfundenen Handlung auf und versetzen Ausführende wie Zuschauer in einen weißgekalkten, von kaltem Neonlicht erhellten Bunker.
Auf der Spielfläche platziert: ein überdimensionaler Maschendrahtkäfig, in den Tamerlano zu Beginn das Orchester samt Dirigenten einschließt, ehe er – mordlüsterner Psychopath und unterhaltsamer Showmaster in einer Person – seine Gefangenen in ein makabres Spiel voller Hass und Verzweiflung mit- und gegeneinander stürzt.
Schlather outet ihn als US-Landsmann – mit Cowboyhut, Brille und Schnauzer eine wirre Mischung aus größenwahnsinniger Rambo- und perfider Comedy-Figur. Lawrence Zazzo spielt dieses Ekelpaket mit sadistischer Brillanz und zynischer Süffisanz. Mal lässt er die Peitsche knallen, mal verschenkt er Dosenfreibier, dann foltert er Bajazet, indem er ihn ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Nicholas McGegan erhielt seine Ausbildung in Cambridge und Oxford, anschließend lehrte er am Royal College in London. Von 1991-2011 prägte er als Künstlerischer Leiter das Profil der Händel-Festspiele Göttingen. McGegan stand am Pult der Philharmoniker von New York, Los Angeles und Hongkong, der Symphonieorchester von Chicago, Milwaukee, St. Louis,...
Lieber Herr Marton, ist das gute, alte Stadttheater, wie es in Deutschland existiert, generell ein Ort für Sie?
Es ist eher die Frage, ob es ein Ort für Musiktheater ist. In Deutschland existiert immerhin dieser Begriff «Musiktheater», der auch experimentelle Formen jenseits der Oper oder des Musicals bezeichnet. Aber institutionell existiert diese Genre – anders...
Auf einen solchen Titel muss man erst mal kommen: «Wenn Papageno für Elise einen Feuervogel fängt». Er charakterisiert nicht nur die Fantasie und Freude, mit der MARTIN GECK seine «Kleine Geschichte der Musik» (2006) geschrieben hat, ein blitzgescheites, wunderbar subjektives, auf 200 Seiten verdichtetes Kompendium «von der Urgesellschaft bis zum Hip-Hop», sondern...
