Revolutionstheater
Gottfried von Einems 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Oper «Dantons Tod» war einer der großen Musiktheatererfolge der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei war es weniger die politische Stoßrichtung von Büchners Revolutionsdrama über die Jakobinerdiktatur als die erhoffte Bühnenwirksamkeit, die Einem und seinen Librettisten Boris Blacher zu dem Sujet greifen ließ. Jedenfalls durfte Einem 1944 bei Kompositionsbeginn durchaus mit einer Aufführung an der Staatsoper Dresden rechnen.
Von einem Akt des bewussten politischen Widerstands gegen die NS-Herrschaft, wie seine Apologeten behaupten, kann keine Rede sein.
Begegnet man dem heute nur noch selten gespielten Werk auf der Bühne, so werden diese Widersprüche offensichtlich. Einem hat zwar Büchners Geschichtspessimismus übernommen – und dessen «Fatalismus»-Brief sogar der Partitur als Motto vorangestellt –, aber ihn zugleich entpolitisiert. In seiner Textmontage, die dem zusammengestrichenen Dramentext zwar wenig hinzufügt, aber Büchners Intentionen fast ins Gegenteil verbiegt, stehen sich der heroisch scheiternde Einzelne und das den Einflüsterungen des Demagogen Robespierre erliegende Volk gegenüber. Aus Büchners ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 67
von Uwe Schweikert
Angefangen hat es in Neustrelitz. An einem «lichten Sommertag» vor 14 Jahren. Irgendwie hatte es Ralph Bollmann in die ehemalige Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz verschlagen. Doch vom Schloss, aus dem die bis heute verehrte Preußenkönigin Luise stammte, ist nur ein Schotterplatz geblieben. Auch sonst fand der Historiker kaum Spuren aus einer Zeit,...
1. Biete Karte
Auf der Titelseite der lokalen Tageszeitung, die mir meine aufmerksamen Wirtsleute jeden Tag neben das Frühstücksei legten, damit ich über Wagner der Welt nicht abhanden komme – im «Nordbayerischen Kurier» also –, fand sich am 30. Juli das Foto eines Menschen in einem grässlichen, rot karierten Hemd und mit einem gelben Schild um den Hals: «2 x...
Den eindrucksvollsten special effect seines ganzen Opernschaffens konnte Gaetano Donizetti nie hören: Weil der für die Uraufführung seiner «Lucia» verpflichtete Glasharmonika-Spieler sich kurz vor der Premiere mit der Theaterleitung überworfen hatte, musste der Komponist die Begleitung der Wahnsinnsszene kurzfristig für Flöte umschreiben. Der weltweite Erfolg des...
