Struktur, Bild, Stimme
Der Avantgarde der 50er- und 60er-Jahre waren Emotionen, Inhalte, Bildlichkeit eher suspekt: Symptome einer ästhetisch wie politisch korrumpierten Nachromantik. Struktur hieß das neue Zauberwort. Wertfrei, pure Materialorganisation sollte Musik sein, jegliche Assoziation an Tradition galt als verwerflich. In Darmstadt oder Donaueschingen wurde denn auch Hans Werner Henze, dem an Theater wie Vokalität lag, in Acht und Bann getan. Die Zeiten starrer Dogmatik sind freilich lange passé, manche Tabus aber sind geblieben.
Eines scheint nach wie vor auf der Stimme zu liegen.
«Singen, das ist die Manifestation des Lebens schlechthin», hatte Henze deklariert. Und Helmut Lachenmann bekundete: «In der Stimme liegt ein tonaler Rest.» Vokalität im Sinne ausdeutender, narrativer, gar kantabler Textkomposition spielte in seiner Musik kaum eine Rolle. Bei Nono wie Boulez wird die Singstimme hauptsächlich syllabisch behandelt. Selbst in Nonos «Canto sospeso» auf Abschiedsbriefe zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer steht der Wortsinn keineswegs im Vordergrund: Das Schweben der Stimmen im Raum war ihm wichtiger als der semantische Transport. Vollends hat Dieter Schnebel in einigen Werken Sprache ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Gerhard R. Koch
André Campras «Tancrède», 1702 an der Pariser Oper uraufgeführt und für einige Jahrzehnte ein Erfolgsstück, stellt aus heutiger Sicht ein Bindeglied zwischen den Opern Lullys und Rameaus dar. Der rezitativische Deklamationsstil der noch jungen französischen Oper verbindet sich hier mit dem Melodienreichtum der Italiener. Das Libretto greift eine Episode aus Tassos...
Und die Oper? Das war die Frage, als Andreas Beck im Herbst 2015 vom Schauspielhaus Wien als Intendant ans Theater Basel kam. Sie stand umso dringender im Raum, als Beck sein Amt von Georges Delnon übernahm, einem Vertreter des Musiktheaters, der inzwischen an die Oper Hamburg wechselte. Wer den Basler Spielplan mit seinem starken Akzent im Schauspiel betrachtete,...
Opernsänger sollen ja so geldgeil sein. Mi-mi-mi-mi-mi-mehr-Gaaaage! Ich finde das unfair. Wir glauben nämlich, die Dirigenten kriegen zu viel Kohle. Wenn man mal die Menge Klang bedenkt, die sie in den Aufführungen faktisch beitragen. Ein Stöhnen hier, ein Grunzen da – sonst ist von ihnen doch praktisch nichts zu hören.
Aber darüber will ich mich jetzt gar nicht...
