Puccini: La Bohème
«La Bohème» ganz realistisch, detailverliebt, in perfektem Einklang mit der Tradition. Die einzige Konzession an den Gegenwartsgeschmack: zeitlose bis heutige Kostüme. Ohne sie wäre die Saarbrücker «Bohème»-Neuinszenierung von Lutz Hochstraate auch vor vierzig, fünfzig Jahren ohne weiteres vorstellbar gewesen.
Frei von Irritationen läuft die Handlung ab. Da allerdings ist Hochstraate eine sehr geschickte, sichere Hand bei der Personenführung zu bescheinigen.
Er lässt, wo es darauf ankommt, mit komödiantischem Elan agieren, hat seine Darsteller zu gewandten singenden Schauspielern geformt. Es geht sehr lebendig zu in dieser «Bohème», das Bühnengeschehen hat Tempo und Witz, die Charaktere gewinnen prägnante Konturen.
Die Chancen, die ihm die musikfreundliche Regie bietet, nutzt Constantin Trinks entschlossen. Der junge Dirigent agiert sehr dynamisch, setzt auf betont dramatischen Duktus. Mit leidenschaftlichem Impetus legt er den Emotionsgehalt der Musik frei und steuert die großen Höhepunkte, die emphatischen lyrisch-dramatischen Aufschwünge der Liebesszenen im ersten und dritten Akt sowie im letzten beim Auftritt der sterbenden Mimì an. Zudem zeigt Trinks ein sicheres Gefühl für ...
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