Atmen, wispern, lachen
Die 1963 geborene Lucia Ronchetti ist heute die nach Salvatore Sciarrino prominenteste musikalische Stimme Italiens. Mit Sciarrino verbindet sie das Interesse an Literatur sowie die Theatralizität ihrer Kompositionen, die, selbst wenn sie nicht für die Bühne bestimmt sind, fast immer eine starke szenische Latenz besitzen. In Mannheim kam jetzt ihr jüngstes Musiktheaterwerk «Esame di mezzanotte» zur Uraufführung.
Der Text dieser abendfüllenden «Oper für Schauspieler, Stimmen, Vokalensemble, Chor und Orchester» stammt von dem Schriftsteller Ermanno Cavazzoni, der dafür seinen Roman «Mitternachtsabitur» als Libretto eingerichtet hat. Ein von Schlaflosigkeit gequälter junger Mann, Giro Lamenti, wird vom Alptraum verfolgt, das von den Behörden für ungültig erklärte Abitur nachholen zu müssen. Die Prüfung soll am nächsten Tag sein. Da er alles vergessen hat, irrt er durch eine bizarre, nur nachts geöffnete Bibliothek, begegnet dort den seltsamsten Gestalten, hört unheimliche Geräusche, aber das Buch, das er benötigt, um sein Wissen aufzufrischen, findet er auch mit Hilfe von Iris nicht, die ihm als gute Fee zur Seite steht. Das absurde Geschehen verleugnet seine Nähe zum kindlichen ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Uwe Schweikert
«Kleopatra» müsste diese Händel-Oper heißen, nicht «Julius Caesar». Daran lässt Lydia Steiers Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin keinen Zweifel. Noch ehe Konrad Junghänel den Einsatz für die Ouvertüre gibt, wird uns ein Blick auf die ägyptische Herrscherin gewährt. Wir teilen eine ihrer Erinnerungen, schauen der Jugendlichen beim Gerangel mit ihrem Bruder...
Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch...
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort...
