Halfpipe des Lebens

Verdi: Macbeth
Antwerpen | Opera Vlaanderen

Opernwelt - Logo

Die Bühne stellt das aufgeschnittene Untere eines Schiffsrumpfs dar, oder eine sehr große Halfpipe. Nicht einfach, da hineinzurutschen; noch schwerer, wieder herauszukommen. Von oben, vom Rand aus, ist es ein Abgrund. Mit Michael Thalheimers Konzept für seinen «Macbeth» an der Opera Vlaanderen hat das zu tun, insofern Henrik Ahrs streng geteilter Raum eine rigide Konzentration auf das bedeutet, was hier der Fall ist, Verdis finsterstes Melodramma über Macht und Tod.

De facto sehen wir Rampentheater, denn das Wesentliche spielt sich vorne und in der Mitte ab: Ziemlich verstört schaut Macbeth uns an, als ihm die blondperückten Hexen seine künftige steile Machtkurve verkünden. Er kann es gar nicht glauben: König? Die Blonden wissen auch schon, wozu ihn seine Lady erst anschubsen muss, dass der Weg zur Macht nämlich über Leichen geht. Craig Colcloughs Macbeth-Bariton ist einer von der gelegentlich etwas gnarzigen Art, der er dann aber auch manches eindrucksvolle Flüsterpiano, allerhand Hohlklänge des Verschwörerischen zuzusetzen weiß. Oder des Entsetzens, wenn er all das Blut bemerkt.

In Thalheimers Inszenierung von Heiner Müllers «Macbeth»-Zuspitzung 2018 am Berliner Ensemble war ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Man muss berührt werden

Frau Steier, stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie wären Intendantin eines Opernhauses. Wie sähe Ihr Spielplan aus?
LYDIA STEIER:
Ganz einfach: In meinem Spielplan würde ich die «klassische» Oper, wie wir sie kennen, mit Projekten verknüpfen, die auf unkonventionelle Art und Weise mit klassischer Musik umgehen. Seit Jahrzehnten präsentieren wir Oper...

Keine Nuance geht verloren

Countertenöre scheinen die Welt der Barockoper heute so zu beherrschen, wie es früher die Kastraten taten, als deren moderne Wiedergänger die falsettierenden Sänger heute oft verstanden werden. «Historisch informiert», wie eine häufig gebrauchte Zauberformel der Aufführungspraxis lautet, ist diese Besetzungsoption freilich nicht. Würde man sich anhand der Quellen...

Grandios gescheitert

Zuletzt sorgte die Oper Halle vor allem wegen der erbitterten, öffentlich ausgetragenen Kontroverse um die künstlerische Leitung für Furore. Aber auch mit dem Theaterpreis des Bundes, der ausdrücklich die innovative Ausrichtung des Hauses nennt, die sich unter anderem im Konzept einer die Grenze zwischen Zuschauern und Akteuren aufhebenden Raumbühne erkunden lasse....