Schnörkellos
Mitten hinein in den Höhepunkt der Kölner Opernkrise fiel die letzte Neuproduktion für das marode Stammhaus am Offenbachplatz, das zwecks Sanierung nun bis 2015 geschlossen bleibt. Anfang Mai gingen noch die Wogen über die nicht gesicherte Finanzierung der kommenden Spielzeit und den angekündigten Abgang des Intendanten Uwe Eric Laufenberg hoch, die Premiere von Wagners «Holländer» blieb vom Chaos der Begleitumstände aber glücklicherweise verschont.
Regisseur Dietrich Hilsdorf hat mit Wagner (bewusst) lange gefremdelt und mit seinen ersten Versuchen – unter anderem in Essen mit einer unterkühlten «Walküre» – sein Misstrauen gegenüber dem Überwältigungskünstler eher noch unterstrichen. Mit dem Kölner «Holländer» scheint der selbst auferlegte Bann gebrochen: Hilsdorf gelingt es zwingend, Wagners Frühwerk mit an Walter Felsenstein geschulten Regiewerkzeugen aufzuschließen.
Dieter Richter hat ihm dafür eine raffiniert konstruierte Drehbühne gebaut, die rasche und oftmals verblüffende Verwandlungen zulässt. Ein pittoresk gekachelter Raum fungiert zunächst als Dalands Küche, wird danach zur Spinnerei mit einer skurrilen, mittels Fahrrad-Energie betriebenen Fantasie-Maschine, die auf die ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Regine Müller
Die Nachricht, dass Dieter von uns gegangen ist, erreichte mich letzte Woche in Schwetzingen, unmittelbar nach einer Probe mit Christine Schäfer und Axel Bauni für mein Stück «Nacht-Räume», das wir abends in einem Konzert aufgeführt haben. Ganz unter dem Eindruck dieser unfassbaren Endgültigkeit saßen wir am späten Abend noch eine Weile zusammen. Beide, Christine...
Zweimal passiert es im ersten Akt, da tritt die Musik über die Ufer. Da brechen Operndämme, und der Symphoniker Emil Nikolaus von Reznicek schiebt sich lustvoll vor den gleichnamigen Musiktheatermann. Zwischenspiele sollen das sein, Verwandlungsmusiken, und sind doch eigenständige, wie entfesselte Überhöhungen der Handlung. Richard Strauss hat so etwas in seiner...
Man kann’s als eine dramaturgische Chance verstehen, dass Alban Berg seine «Lulu» nicht in abgeschlossener Form der Nachwelt hinterließ. Diesem Gedanken ist seit Friedrich Cerhas ingeniöser Rekonstruktion des dritten Akts nur noch selten nachgegangen worden; in Cerhas Version wurde das Werk wohl allzu selbstverständlich während der letzten dreißig Jahre von den...
