Panischer Stillstand
Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jährlichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit der scheinbar endlosen Soap Opera, die hinter den Kulissen stattfand. Denn so viel Streit, Intrigen, Rücktritte und Skandale wie in und um Berlins Opern hat es in den letzten Jahren kaum irgendwo gegeben.
Seit der Wiedervereinigung machte die neue Opernhauptstadt nur selten durch maßstäbliche Produktionen und aufregende Inszenierungen von sich reden, dafür aber verging kein Jahr, in dem nicht irgendein neues Horrorszenario mit Schließung oder Fusion drohte, sich plötzlich eine klaffende Finanzierungslücke auftat oder ein Generalmusikdirektor das Handtuch warf. Die Berliner Kultursenatoren blieben im Durchschnitt nicht mal so lange im Amt wie Fußballtrainer. Einer tatsächlich staunenswerten Vielfalt des Opernangebots stand (und steht) eine ruinöse Haushaltslage der Stadt gegenüber. Die Aufmerksamkeit von Presse und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Special: Opernstiftung Berlin, Seite 50
von Jörg Königsdorf
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die...
Die Einführung, die kürzlich im Arthaus Verlag zu Bizets «Carmen» erschienen ist, füllt eine Lücke: Sie kombiniert einen profunden Text zu Genese, Kontext und musikalischer Struktur des Stücks (Autor: Oliver Müller) mit einer Kompletteinspielung auf DVD – die Wahl fiel auf einen Mitschnitt der Londoner Covent-Garden-Produktion von 1991 mit Maria Ewing in der...
Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirchlichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke...
