Aus Fleisch und Blut
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred Schweigkofler, seit 2001 alleiniger Manager des Bozner Stadtheaters, den Grundgedanken seiner Inszenierung.
Geleitet von Feinfühligkeit und dramaturgischem Einfallsreichtum, gelang Schweigkofler eine sensible Gratwanderung zwischen Buchstabentreue und Dekonstruktion, deren Ergebnis ein durch und durch frischer «Fidelio» war. Schweigkoflers Wurzeln liegen im Low-Budget-Bereich des experimentellen, «alternativen» Sprechtheaters, weswegen der Südtiroler Theatermann daran gewöhnt ist, eher mit Menschen aus Fleisch und Blut als mit exaltiertem Ausstattungspomp zu arbeiten. Er ist sichtlich vertraut mit dem Purismus eines Brecht, Eugenio Barba oder einer Pina Bausch, lässt jedoch auch den Commedia dell’Arte-Esprit eines Giorgio Strehler nicht zu kurz kommen.
Konzentrische Ringe strukturieren das Bühnengeschehen. Die multifunktionale ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Carlo Vitali
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