«Leicht muss man sein»
Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern. Allerdings fällt mir auf, dass sich viele jüngere Dirigenten seltener daran wagen, vielleicht weil dann offenbar wird, wie gut oder schlecht diese Stücke dirigiert werden.
Sie haben sich bei den Münchner Philharmonikern einen Vertrag ausbedungen, der das Orchester vor Sparmaßnahmen schützt. Was empfehlen Sie Orchesterleitern in kleineren Städten, meinetwegen in Albstadt, St. Ingbert oder Waiblingen, die um die Existenz ihrer Orchester kämpfen?
Man muss den Politikern klar machen – und viele wissen es ja mittlerweile –, welch große Wirkung Kunst für einen Ort hat. Ich kann meinen Kollegen nur raten: Hände weg von diesen so genannten überintellektuellen Programmen. Natürlich steckt, wenn eine Saison einem übergeordneten Thema verpflichtet ist, meist ein kluger Gedanke dahinter. Aber bitte: Bedient auch das normale Repertoire! ...
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West-Berlin, Akademie der Künste, 29. Januar 1981. Eine bis dahin noch nie in Erscheinung getretene Gruppe um den Regisseur Henry Akina zeigt Poulencs «Voix humaine», Ned Rorems «Poems of Love and Rain» und Janáceks «Tagebuch eines Verschollenen». Der Spiritus Rector inszeniert, die musikalische Leitung hat Ivan Törzs. Drei Novitäten auf dem Berliner Spielplan....
Vor zwei Jahren träumte er noch. «Mir schwebt vor, möglichst viele Formen der Gegenwartskunst in diese Mauern zu holen, Film, Literatur, bildende Kunst, jede durchaus in ihrem eigenen Recht, und sie zum Austausch mit der Kunstform Oper zu provozieren», hatte Seán Doran, von Herbst 2003 an Künstlerischer Chef der English National Opera, dem Schreiber dieser Zeilen...
Der bemerkenswerteste Versuch, Monteverdis «Poppea» den Händen von Barockspezialisten zu entwinden und dem musiktheatralischen Mainstream zuzuführen, war 1976 in Paris zu verfolgen, als Gwyneth Jones die Titelpartie sang, Jon Vickers den Nerone gab und Christa Ludwig als Ottavia, Richard Stilwell als Ottone sowie Nikolai Ghiaurov als Seneca auf der Bühne standen....
