Katerina im Glashaus
Was für eine schlichte, suggestive, kalte Bühne: ein mit orangefarbenem Teppichboden ausgelegtes Glashaus mit Schiebewänden, schräg in einen von Erde bedeckten, bühnenhohen Raum aus Brettern hineingestellt und hell erleuchtet. Darin eine schöne, elegante Blondine, hinter ihr aufgereiht zwei Dutzend High Heels. Draußen sitzen, links und rechts, echte Schäferhunde.
Der Beginn der Amsterdamer Aufführung von Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» deutet alles an und verrät doch nichts: Wir sehen einen goldenen Käfig, in dem eine Frau zum Ausstellungsstück degradiert ist, beaufsichtigt von Tieren und später von der Masse. Kein Wunder, dass sich Katerina, die Frau des reichen Kaufmanns Zinovi Ismailov, der unter der Fuchtel seines Vaters steht und an ihr kein Interesse hat, zu Tode langweilt. Wenn dann ein brutaler Prachtkerl wie Sergej in Gestalt des tenoral und physisch auftrumpfenden Christopher Ventris auftaucht, ist kein Halten mehr. Und doch bewahrt Katerina, die Holländerin Eva Maria Westbroek, Star des Stuttgarter Ensembles, mit leuchtend intensivem, farbigem Sopranglanz immer ihre Würde, scheint sie weder vom Mob um sie herum, noch von den Morden, die sie ...
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Dass sich mit lizenzfreien historischen Aufnahmen ein schneller Euro machen lässt, hat sich unterdessen herumgesprochen, und die Billig-Labels sprießen wie Pilze aus dem Boden. Da werden die Archive der Rundfunkanstalten geplündert, dass man nur staunen kann. Meist wird dabei gedankenlos abkopiert, für klangtechnische Verbesserungen ist ebenso wenig Geld da wie für...
Lorraine Hunt Lieberson war durch und durch Musikerin. Sie hatte Bratsche und Gesang studiert, spielte im Orchester, trat in einem Chor auf – und ergriff ihre Chance, als Peter Sellars 1985 einen Sesto für seine legendäre Inszenierung von Händels «Giulio Cesare» suchte. Im «Opernwelt»-Interview, das wir im Sommer 1997 in Berlin führten (siehe OW 10/97), erinnerte...
