Tragische Fallhöhe
Musetta kennt man als kokette, notorisch zickende Diva, die in Koloraturen zwitschert und auch sonst wenig Bodenhaftung hat. Bei Puccinis «La Bohème» ist sie eher eine Randfigur, die ab und zu mit ihrem Temperament die melancholische Melodienseligkeit der Oper aufwirbelt. Ruggero Leoncavallo hatte sich schon vorher für die Geschichten aus Henri Murgers 1848 in einem Journal erschienenen «Scènes de la Vie de bohème» interessiert, wurde aber schließlich bei der Vertonung des Stoffs vom Konkurrenten rechts überholt.
Erst fünfzehn Monate nach der Uraufführung von Puccinis Oper hatte Leoncavallos «La Bohème» Premiere – und erschien seitdem eher selten auf den Spielplänen. Verdient hätte es die vieraktige «Commedia lirica» allemal, wie die überzeugende Produktion am Luzerner Theater zeigt – und das nicht nur wegen der dramatisch aufgewerteten Partie der Musetta.
Tanja Ariane Baumgartner, die gerade als Gräfin Geschwitz in der Basler «Lulu» zu hören war, stattet die Partie mit dunklen, von Schmerzen erzählenden Mezzotönen aus. Sie steht im Zentrum dieser Oper, wenn sie im silbernen Glitzeranzug auf dem Billardtisch des Café Momus tanzt oder sich im dritten Akt mit klarer Stimme von ihrem ...
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Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles...
Herr Heppner, haben Sie sich mit dem Etikett vom Heldentenor abgefunden?
Das Problem bei diesem Begriff ist, dass die lyrische und damit vielleicht auch die gesangliche Komponente oft zu kurz greift. Heldisch, das suggeriert meist: laut und kraftvoll. Damit allein ist natürlich nichts gewonnen.
Geht es Ihnen um eine bestimmte Richtung von Gesangästhetik?
Zumindest...
Wer seinen Goethe gelesen hat, wird in Guy Montavons Erfurter Inszenierung von Arrigo Boitos «Mefistofele» nicht schlecht staunen. Denn er bekommt hier einen Krimi zu sehen: Mephisto soll als Agent eines großen Geheimbundes, an dessen Spitze ein «Big Boss» namens Gott steht, dem Wissenschaftler Faust die Formel zur Erschaffung eines künstlichen Menschen abjagen....
