Tragisches Format
Stefano Poda ist – wie sein italienischer Landsmann Romeo Castellucci oder wie Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner, Choreograf, Kostüm- und Lichtgestalter in Personalunion. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine strenge, genau kalkulierte Formensprache aus. Man könnte auch sagen: Er unterwirft die Werke, die er sich vornimmt, seiner eigenen Ästhetik.
So gibt es in Podas Turiner «Turandot» keinerlei China-Folklore – die Handlung spielt in einem leeren weißen Raum, die Einwohner von Peking, das Volk, auch die Vertreter der Herrschenden, tragen weiße Kleidung, selbst die Körper der Tänzerinnen sind weiß bemalt. Nur Calaf und sein Vater tragen schwarz. Im letzten Akt kehrt sich die Farbsymbolik um. Ein traumhaftes Spiel vollzieht sich so, eine Abfolge ritualisierter Aktionen.
Poda zieht sein visuelles Konzept mit bewundernswerter Konsequenz durch. Doch in dramaturgischer Hinsicht kann die Interpretation nicht durchweg überzeugen, für den Zuschauer ist sie nur bedingt nachzuvollziehen. Zum Beispiel fügt Poda den im Libretto genannten Rätseln der Turandot (die Calaf, auf einer Chaiselongue kauernd, lässig beantwortet) zahlreiche neue hinzu. Vor allem die Grundidee, die ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta
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