Freiräume lassen
Als Fahnenflucht, jetzt, so kurz vor der Generalsanierung, möchte er seine Entscheidung nicht verstanden wissen. Die Sache mit der zentrumsnahen Interimsspielstätte ist schließlich geklärt, die Finanzierung ohnehin, der nächste Spielplan auch. Bodo Busse kann also zum Herbst beruhigt die Saarbrücker Intendanz übernehmen. Etwas früher als geplant, am Landestheater Coburg regiert zwischenzeitlich ein Direktorium. Dass der «Parsifal» kurz vor Ende von Busses Ära ein finales Ausrufezeichen setzt, war also ursprünglich nicht beabsichtigt.
Wohl aber, das 550-Plätze-Haus wieder ein Schwergewicht stemmen zu lassen. «Wir erzielten immer dann überregionale Aufmerksamkeit, wenn wir Dinge taten, die man uns nicht zugetraut hat», sagt Busse. Wie im Falle von «Lohengrin», «Rosenkavalier» und «Tristan» – und jetzt eben von Wagners Erlösungsepos, das freilich dank des zügigen, zugespitzten Dirigats von Roland Kluttig ohne epische Längen auskommt. Der GMD bietet keinen Weihrauch, sondern Clarté, die Tempo-Relationen sind logisch, die Verwandlungsmusiken ragen wie unbehauener fränkischer Schiefer aus dem Graben. Kluttig kennt die Akustik und sein Orchester. Ein Ausschwingen der Phrasen würde nicht ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Markus Thiel
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