Wiege der Weltmusik
Multikulti war gestern. Ganztätige Performances, Sex auf der Bühne und der Berliner Tuntenball auch. Dennoch knüpft Barrie Kosky mit seinem gigantomanischen Monteverdi-Hattrick zum Auftakt seiner Ära an der Komischen Oper an alte Entgrenzungs- und Befreiungsrituale des Theaters an. Sie fordern vor allem eines: Sitzfleisch. Strammsitzen für eine neue Zeit.
Zwölf Stunden Theater, das bedeutet netto: neun Stunden musikalischer Monteverdi-Stadl voll bocksbeinig schwuler Cheerleader-Gymnastik, Schluckauf-Verzierungen und kreischbunter Bilder.
Ein «Tropical Island»-Vergnügungspark der wuchernden Schlingpflanzen und Dolly-Buster-Boops-Bäume macht den Anfang. Der «Orfeo»-Mythos, er spielt im Paradiesgarten der Oper – als floraler Sommernachtstraum. Nackerte Adams und barbusige Evas tauchen im Tümpel ein, der später als Acheron zum Trennwasser für Eurydike wird. «Odysseus» sodann dampft als Kammerspiel aufs Kleinkarree eines Minigolf-Rasens an der Rampe ein. «Poppea» schließlich: ein römischer Dallas-Verschnitt. Alles ebenso abwechslungsreich wie «koskyesk».
Als dicker Engel hält der Amor-Darsteller Peter Renz alle drei Opern kongenial zusammen. Mal in Stützstrümpfen und Hängerchen, mal als ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Kai Luehrs-Kaiser
Warum ist die eine Oper erfolgreich und die andere nicht? Rossinis «Wilhelm Tell» quillt über vor schönen Melodien, wirksam instrumentierten Szenen, massenkompatiblen Arien und stimmungsvollen Ensembles. Und doch hat sich nur die Ouvertüre als Wunschkonzert-Schmankerl etablieren können. Womöglich war das letzte Werk des Maestros aus Pesaro zu überraschend für seine...
Sicher, irgendwie war er nicht von dieser Welt. «Ich wurde auf Sirius ausgebildet, und dort will ich auch wieder hin», erklärte Karlheinz Stockhausen einmal, als er noch im Bergischen Land wohnte. In Kürten bei Köln, wo er 26 Jahre lang, von 1977 bis 2003, an seinem opus magnum, dem siebenteiligen Opernzyklus «Licht» gearbeitet hatte. Er sah sich als Geisteswesen,...
So einen Schluss gibt’s nicht noch mal im Musiktheater. Ein herzzerreißender instrumentaler Aufschrei auf einem Ton, fortissimo diminuendo; kantig hartes Schlagwerk, Rührtrommeln, ein erbarmungslos herausgestanzter Rhythmus, in Noten gesetzter Stechschritt. Das Ganze wie in Zeitlupe wegbröckelnd ins Nichts. Und in der Stille tut es alles dann erst richtig weh.
Sollt...
