Magische Momente
Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie «Cats», «Nicholas Nickleby» oder «Les Misérables» zur Hochblüte trieb. Das karge (doch nicht abstrakte) Dekor sorgt für eine düstere, missmutige Atmosphäre.
Gespielt wird in einer Art Arena, die ein Halbrund kahler Bäume begrenzt. Ein Bett, ein paar Stühle, vier bewegliche Riesensäulen, ein Jeep – diese Requisiten reichen, um die verschiedenen Orte der Handlung zu markieren.
Das Personal trägt moderne Kleidung: Uniform oder Abendgarderobe, lediglich die Kronen des Königspaars haben einen dezidiert gotischen Touch. Die Hexen huschen in dunklen Schuhen und weißen Socken durch diese Schattenwelt, auf den krausen Perücken ein staunenswertes Arsenal hässlicher Hüte. Mit ihren im Rhythmus der Musik geschwungenen Handtaschen wirken sie wie leicht verrückte Pennerinnen. Die Morde fallen sehr blutig aus – der einzige Farbakzent ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt...
Karl Richter wuchs in der sächsischen Kantorentradition auf, übte auf Silbermanns Freiberger Domorgel, wurde noch von Karl Straube als Schüler angenommen und als ganz junger Mann Organist an der Leipziger Thomaskirche. Karriere macht er in München, wo er sich an der Markuskirche einen eigenen Bach-Chor aufbaute und im katholischen Bayern ein Stück protestantische...
m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
