Im Sanatorium
Der Stoff der «Karmeliterinnen», so schreibt Francis Poulenc in einem biografischen Rückblick, habe ihn zunächst zweifeln lassen: eine Oper ohne Liebeshandlung? Ein Vertreter des Regietheaters wie Jörg Behr hat damit keine Probleme: Er erfindet eben eine. Und zwar eine inzestuöse zwischen der jungen Blanche und ihrem Vater, dem Marquis de la Force. Leicht klischeehaft ist diese in letzter Zeit häufiger zu erlebende Inszenierungsmetapher. Aber die damit einhergehende Profanisierung des (wie H. H.
Stuckenschmidt einst befand) «sehr katholischen Buches», die Behr vornimmt, bringt dem Stück einigen Gewinn: Der Regisseur lässt es im Hier und Heute spielen und verlegt es aus dem Kloster in eine Art klinisches Sanatorium. Die Nonnen erscheinen als Wahn- und Projektionsgestalten, in die Blanche, von Lebensangst verfolgt, ihre Wünsche und Sehnsüchte legt.
Nicht immer ist diese Durchführung textkonform. Wenn etwa bei Poulenc die Nonnen wegen der Revolutionsereignisse das Kloster räumen müssen und die Subpriorin um neutrale Kleider bittet («für die Öffentlichkeit verbot man uns ja die Tracht»), dann ist von der erwähnten Nonnentracht auf der Oldenburger Bühne nichts zu sehen. Aber das stört ...
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Die...
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