Der Maler und seine Frauen
Richard Gill, Dirigent der neuen Oper «Rembrandt’s Wife» von Andrew Ford, gab vor der Uraufführung zu Protokoll, er finde es sehr «erfrischend, dass dieses Werk eines australischen Komponisten kein australisches Sujet behandelt». Das war durchaus schmeichelhaft gemeint. Denn wirklich liegen den meisten in Australien entstandenen Opern Themen zugrunde, die in Europa wurzeln.
Jedes Kunstwerk bedarf einer metaphorischen Dimension, doch eine Oper braucht neben poetischen Momenten auch ein logisches dramaturgisches Gerüst. Der Text ist ein entscheidender Faktor.
Fords Librettistin Sue Smith, eine erfahrene Autorin von TV-Drehbüchern, hat dem Komponisten eine Serie locker gefügter Episoden über den großen Maler geliefert, dem Ganzen fehlt dramatische Durchschlagskraft. Nur ein Komponist mit Theaterblut hätte daraus Funken schlagen können. Ford gehört leider nicht zu dieser Spezies, und sein pauschaler, an der englischen Tradition orientierter Stil ist kaum geeignet, die Defizite in der Handlungsführung wettzumachen.
Gleichwohl hat sich die neu formierte Victorian Opera in Melbourne hohes Lob verdient, nicht nur für die «Rembrandt»-Premiere selbst, sondern auch für die Entscheidung, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Krisen nähren Utopien. Nicht wenige träumen wieder von einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft. Der amerikanische Präsident denkt laut über eine atomwaffenfreie Welt nach – Thomas Morus grüßt aus der Ferne. Was macht da ein Regisseur mit der Utopie von Erlösung durch Mitleid, wie sie Richard Wagner in seinem «Parsifal» formuliert hat? Zumal dann, wenn er,...
Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...
Plácido Domingo, Generaldirektor der Los Angeles Opera, hatte sich für den ersten «Ring» in der kalifornischen Metropole etwas Außerordentliches gewünscht. Zunächst schwebte ihm ein «Star Wars»-Treatment in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Mogul George Lucas vor. Doch als die Produktionskosten auf über 80 Millionen Dollar anwuchsen, musste er sich etwas anderes...
