Und nun?
Amfortas hat sich fast entblößt. Sein blutverschmiertes Unterzeug lässt keinen Zweifel: Klingsors Speerstoß traf die Genitalzone. Nach der Gralsenthüllung, zu der Amfortas mühsam geschleppt wird, kriecht der blütenweiße Parsifal auf allen Vieren auf ihn zu. Mag er auch nicht begreifen, was er sah – neugierig geworden ist er. Einen ersten Schritt auf die Erlösung des malträtierten Königs hin hat er getan. Den Weg zum Heilsbringer, diesen Entwicklungsroman beschreibt die neue Freiburger Wagner-Erkundung des Regisseurs Frank Hilbrich.
Die Stationen dieser Bewusstwerdung sind genau erfasst, der Schock zumal, den Kundrys erotischer Übergriff in ihm auslöst. Auch wenn er, zum weltenwandernden Schwarzen Ritter geworden, zur Fußwaschung tolpatschig die Stiefel anbehält: Seinen Wandlungsprozess, den ihm zugewachsenen Lebensernst – all das verdeutlicht die Regie. Eine Regie im Übrigen, die nie zur Bevormundung des Zuschauers wird, sondern eine, die Auslegungsvorschläge zu unterbreiten, die immerzu zu sagen scheint: So könnte es gewesen sein. Auch wenn die Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht den jungen Mann dem Faschistennachwuchs zuordnet. Führergesten übt er jedenfalls schon mal.
Eine dichte, ...
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Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch
Frau Schellenberger, Sie galten als Überraschungssiegerin bei der Nachfolge für Mörbisch. In Österreich raunt man sich boshaft zu, Sie hätten ein Mitglied der Findungskommission besser gekannt als andere. Was ist da dran?
Unterstellungen dieser Art kamen nur aus einer einzigen Richtung, von jemandem, der es nicht geworden war. Ich wurde einstimmig von den...
Putzig sehen sie aus, die zehn goldgelben Küken, die da auf der Website den Stapel aus Programmbroschüren der Pariser Opéra Comique erobern. Gemeint sind die zehn Teilnehmer des ersten Jahrgangs der neuen, hauseigenen «Academie de l’Opéra Comique»: vier Soprane, drei Tenöre, zwei Bassbaritone und ein Bariton, alle unter 35 Jahre. Sie Küken zu nennen, ist aber...
Im zweiten Jahr des Ersten Weltkriegs, 1915, beendete der Wiener Akademielehrer Franz Schreker seine Oper «Die Gezeichneten». Was er hinter der Maske der italienischen Renaissance, im alten Genua, an Personal vorführte, waren die Protagonisten seiner eigenen habsburgischen Umwelt, in der sich Biederkeit und Ausschweifung, zackige Männlichkeit und Psychoanalyse...
