Expedition ins Ungewisse

Wiederbegegnung mit Bellini: Das Remake der Stuttgarter «Sonnambula» an der Deutschen Oper Berlin ist mehr als ein Transfer des Bewährten

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Ganz schön verbiestert, halsstarrig schauen sie aus den gebügelten Oberhemden, Strickwesten und Hauskitteln: die knorrigen Ländler, die sich da in einem schwer renovierungsbedürftigen, mit klobigen Holzschränken und Biertischen möblierten, von einer stockfleckigen Decke überwölbten Saal versammeln. Als ob sie aus der Monotonie ihrer kargen Existenz in den Schweizer Bergen nie mehr herausfinden würden.

Dabei steht ein wenig Abwechslung ins Haus, die Hochzeit der verwaisten Müllerstochter Amina mit Elvino, der dank seines Vermögens begehrtesten Partie am Fuße der Jungfrau (wo die Geschichte laut Libretto spielt). Und doch hat jedes einzelne Mitglied dieses Kollektivs eigene Statur, eine unverwechselbare Aura. Da gibt es den sonderlichen Schlacks, der alle um einen Kopf überragt, immer wieder Löcher in die Luft starrt. Die frustrierte Mittfünfzigerin, die jede Aufhellung ihres Angetrauten mit finsteren Blicken erstickt. Den verklemmten Zwangsneurotiker, dem alles, was die geregelte Ruhigstellung des Lebens gefährdet, Angstschweiß auf die Stirn treibt. Ein hintergründig schillerndes Soziotop tut sich auf, wenn an der Deutschen Oper Berlin der Vorhang aufgeht zu Vincenzo Bellinis seit ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Albrecht Thiemann

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