Abschied für immer
Die Theaterklause in Brandenburg an der Havel ist ein behaglicher Ort. Alles leuchtet in warmen Farben, an den Fenstern hängen rote Vorhänge, die Wand hinterm Tresen ist holzverkleidet. Doch der Blick des Theaterintendanten passt eher zu den traurigen Temperaturen vor der Tür. Kein Wunder, gleich beginnt die Uraufführung der Oper «Kleist». Es wird die letzte an seinem Haus sein. Die Sparte Musiktheater wird geschlossen. Wie konnte es so weit kommen?
«Der Sündenfall», sagt Christian Kneisel, «war der Theaterverbundvertrag».
Ende der neunziger Jahre hat das Land Brandenburg die Theater von Frankfurt (Oder), Potsdam und Brandenburg/Havel zusammengelegt. Jahrzehntealte Ensembles wurden aufgelöst – und das, obwohl ein wissenschaftlich belegter Zusammenhang zwischen Kulturabbau und Abwanderung besteht. Ausgerechnet dem kleinsten Haus in Brandenburg/ Havel fiel es zu, die teuerste Kunstform beizusteuern: das Musiktheater. «Das hat damals niemand verstanden», so Kneisel, «und wir haben nie annähernd die Gelder bekommen, die wir gebraucht hätten für drei Produktionen im Jahr.» Dann rechnet er vor, wie bei schamlos niedrigen Gagen für exzellente Künstler die Tarif- und Bestriebskosten ...
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Die feierliche Einleitungs-Sinfonia und die prachtvolle Schluss-Chaconne sind echte Ohrwürmer. Aber auch darüber hinaus hat Domenico Bellis «Orfeo dolente» (1615) dem Opernfreund einiges zu bieten. Der Florentiner «compositore di camera» scheint dem Mantuaner und Neu-Venezianer Monteverdi nämlich mit seinem «Gegen-Orfeo» den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Bellis...
Vilnius’ Renaissance-Schloss ist eine Baustelle. 2009 feiert Litauen das tausendjährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung. Seit 1636 wurden hier Opern aufgeführt. Das heutige Opernhaus stammt von 1974 und erinnert mit seinen riesigen Glasfoyers, die den Blick spektakulär zum Neris-Fluss und zur Stadt hin öffnen, an eine Kreuzung aus Frankfurter Oper und Palast...
Irgendeinem höheren Opernspielplangeist muss vor einiger Zeit «so nach Tamerlan zu Mut» gewesen sein, wie es schon 1922 in dem frechen Nelson/Tucholsky-Chanson hieß. Wie sonst wäre zu erklären, dass Händels düster-meisterhafte Tyrannen-Oper von 1724 über den blutrünstigen Tartarenfürsten und seine grausamen Taten am Hof des unterworfenen Byzanz weltweit fast...
