Bratislava: Der unverwüstliche Wüstling
Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende Vokalzeichen, zunächst nur sanft verhallend, von Mal zu Mal verzerrter, schließlich klirrend-fröstelig und markerschütternd gruselig wie die nervenrüttelnde Horror-Soundscape eines David-Lynch-Films.
Die dramaturgische Funktion dieses «Leitmotivs» ist sonnenklar: Es geht um die opernhaft-akustische Kennzeichnung dessen, was mit dem fatalen Porträt Dorian Grays geschieht. Während dieser leibhaftig als unveränderlich ephebenhaft strahlender Beau eine Bahn der Ausschweifungen, ja des Verbrechens durchläuft, setzen sich die Spuren dieses Lebens in dem Bildnis ab, das, damit gewissermaßen zum sündentragenden Lammgottes werdend, zunehmend Fürchterliches offenbart. Schließlich wird es für Dorian so zum Menetekel, dass er mit einem Messer auf die Leinwand einsticht – und dabei sich selbst tötet. In Verfilmungen des Oscar-Wilde-Stoffes erlebt ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Hans-Klaus Jungheinrich
Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die...
Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick....
Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...
