Wüste im Herzen
Schlafwandlerin der Liebe ist Violetta nicht. Keine «Seele, die sich im Jenseits den Schlaf aus den Augen reibt», wie Alwa von Lulu schwärmt. Man mag derlei Gedankenspiele pflegen, weil Marlis Petersen 2003 mit der Titelfigur in Peter Konwitschnys Hamburger Inszenierung von Alban Bergs Oper ihren Durchbruch schaffte. Und weil sie nun in Graz erstmals die Traviata in Konwitschnys ebenfalls erster Inszenierung dieses Stückes gibt.
Doch schon die Hamburger Lulu war keine Schlafwandlerin mehr.
Und Violetta Valery, in Petersens atemberaubender und ungemein berührender Verkörperung, ist durch und durch Realistin, zugleich freilich Tagträumerin – eine, die ihre Krankheit zum Tode in jedem Moment spürt, sie aber zumindest für kostbare Augenblicke vergessen möchte. Auch und besonders in der Liebe zu diesem merkwürdigen Alfredo Germont. Der ist Außenseiter und verletzlich wie sie, ein linkischer Schriftsteller mit Hornbrille und Strickjacke (Giuseppe Varano zeichnet die Figur glaubhaft, singt freilich mit wechselnder Qualität). Liebe? Zum Lachen, follie! Oder doch einzig wahres Gefühl? Quel amor ch’è palpito dell’universo intero? Für Alfredo jedenfalls scheint diese Liebe vor allem ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché
In schweren Zeiten sehnt sich der leidende Mensch nach ein wenig Heiterkeit. Das Kino war im Zweiten Weltkrieg dafür das ideale Medium. Doch auch die Musik könnte helfen. Anno 1940 schrieb Serge Prokofjew seine «lyrisch-komische» Oper «Die Verlobung im Kloster» nach der Komödie «The Duenna» von Richard Brinsley Sheridan (1775). Die zweite Frau des Komponisten, Mira...
Frau Baechle, liegen die Gedichte von Anna Achmatova auf Ihrem Nachttisch?
Natürlich habe ich jetzt einiges von ihr gelesen: das «Poem ohne Held», das zu der Zeit entstand, in der auch die Oper spielt, dazu Erinnerungen, Literatur über die Stalin-Zeit und andere Achmatova-Gedichte. In der Oper selbst kommen allerdings nur zwei Gedichte von ihr vor.
Spielt die reale...
Die eine hat sie gerade zum letzten Mal auf der Bühne gesungen, die andere zum ersten Mal: Während für Edita Gruberova «La traviata» nun Geschichte ist, scheint Marlis Petersen eine neue Paraderolle für sich zu entdecken. Peter Konwitschnys Produktion ist ganz auf die liebestodkranke Hauptfigur zugeschnitten. An anderer Stelle in diesem Heft kommt der Regisseur...
