Auf Nachhaltigkeit angelegt
Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Briefkasten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer anderer Art war’s: eine Einladung zu Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel». Oper? Ja, Oper. Musiktheater. Eine der ältesten bürgerlichen Kunstgattungen. In Wittenberg eigentlich abgeschafft.
Nun aber wieder da, wie Phönix: Mitteldeutsche Kammeroper Wittenberg heißt die gleichermaßen kunstsinnige wie soziokulturell wertvolle Unternehmung, die sich hinter der Neugründung verbirgt. Hohes Ziel des als gemeinnütziger Verein eingetragenen Opernensembles ist es, die Musiktheaterkultur in der seit Schließung des Mitteldeutschen Landestheaters Wittenberg 2002 diesbezüglich blindfleckigen Gegend erneut zu beleben. Oder, wie es einer der beiden künstlerischen Leiter, Regisseur Benjamin Sahler, ausdrückt: das Bewusstsein zu wecken dafür, dass Kultur in einer Stadt wie Wittenberg unabdingbar ist.
Einfach war die Unternehmung nicht. ...
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Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...
Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...
Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik....
