Wunder gibt es immer wieder
So wenig Held war Lohengrin selten. Ein unauffälliger, ältlicher Mann in dunkelgrauem Mantel, der unbeachtet auf seinem Reisekoffer mitten im Volk von Brabant herumsitzt. Nicht einmal ein Schwert hat er dabei – das muss er sich für seinen Kampf gegen Telramund mal eben bei einem konsternierten Edlen leihen.
Aber da ist ja Elsa, das somnambule Mädchen, das unverbrüchlich daran glaubt, dass dereinst ein strahlender Prinz kommen wird, um sie zu retten.
Und weil der Glaube bekanntlich Berge versetzt, sorgt er für das nötige Wunder und verwandelt den grauen Kofferträger in einen strahlend-weißen Hoffnungsträger.
Weil nun nicht nur Elsa glaubt, dass es immer wieder Wunder gibt, sondern auch das Volk, schickt es stante pede den bis dato allseits geschätzten, aber recht rüden Feldherrn Telramund in Acht und Bann und läuft mit fliegenden Fahnen zum neuen Star über. Schon wird es zeitweilig hell in der düsteren Provinz, und selbst die zerschlissenen Viebrock-Mustertapeten, mit denen Ausstatter Stefan Rieckhoff die bedrückend steilen Wände beklebt hat, sehen auf einmal viel weniger schmuddelig aus. Meterhohe Schwanenfedern dominieren das Ambiente, eine schöne Reminiszenz an das kleine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...
Die alte Dame sitzt mit größter Disziplin in ihrer Loge. Fast jeden Abend. Rosenwangig, mit großen Augen und alterslosem Kindergesicht verfolgt sie, was sich unter ihrer Schirmherrschaft an neuen Stimmen unten auf dem Podium tummelt. Sogar bei der ersten Runde, als aus fast zweihundert Kandidaten per DVD ausgewählt wurde, wer überhaupt zu Brüssels großem...
Schon der Beginn der Oper klingt verheißungsvoll: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmischer Elastizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt....
