Verwischte Ebenen
Schon die Antike wusste es: «Wen die Götter lieben, der stirbt jung.» Sprich, wer auf dem Höhepunkt seines Ruhms stirbt, hat bessere Chancen, selbst in den Kreis der Götter und Heroen aufgenommen zu werden. Das gilt unter massenmedialen Bedingungen auch für den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, der nicht zuletzt aufgrund seiner Ermordung am 22. November 1963 zur Ikone des zeitlos lächelnden Hoffnungsträgers werden konnte.
Vor drei Jahren widmete ihm die Oper im texanischen Fort Worth, wo Kennedy die letzte Nacht seines Lebens verbrachte, ein Werk, das auf Antikes zurückgreift und zugleich die popmediale Überhöhung fortschreibt, wie sie etwa John Adams in «Nixon in China» Richard Nixon zuteil werden ließ. In «JKF» von David T. Little, das nun in Augsburg zur europäischen Erstaufführung gelangte, begleiten zwei der drei (den Lebensfaden zumessenden) Parzen die letzten Stunden in Kennedys Hotelzimmer – die dritte wartet schon am Todesort Dallas.
Rahmende Chöre, aufgestockt um emotionalisierende Kinderstimmen, beklagen die menschliche Sterblichkeit, während die Handlung schicksalhaft Kurs auf das Attentat nimmt, das selbst nicht gezeigt wird, weil der Mythos wie in der ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Michael Stallknecht
Knuddelig schauen sie aus, die drei Bernhardiner! Sie tragen zwar Prothesen, doch schließen wir sie deswegen umso inniger ins Herz. Leider sind die fantastischen Drei nicht echt, sondern nur Einrichtungsgegenstände, uns vage bekannt aus Haushalten von Zeitgenossen, die viel Geld und wenig Geschmack haben. Wollte Regisseur Mariano Pensotti damit auf die...
Der Weg zu den Strahlen der Sonne führt über eine kleine Brücke. Ein Bächlein, forellenfrei vermutlich, fließt leise murmelnd darunter hinweg. Abendstimmung. In der Ferne erhebt sich die Silhouette eines gigantischen Rundbaus, der anmutet wie ein auf die Erde gestürzter, noch schnell geschliffener Meteorit, bewacht nur von winzigen Wolkenballen und einem...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
