Die Sache mit Gott
in Mann wie Schönbergs Moses hat es heute doppelt schwer. Nicht nur, weil es ihm, der Gottes Stimme vernommen zu haben glaubt, immer dann die Sprache verschlägt, wenn er die Botschaften des Allmächtigen unters Volk bringen will. Und auch nicht allein, weil diese Sprachnot aus der Überzeugung resultiert, dass absolute, himmlische Wahrheiten ihre Unschuld verlieren, sobald sie in Worte gefasst werden. Das Hauptproblem des Mannes Moses besteht zu Beginn des 21.
Jahrhunderts in der Schwierigkeit, angesichts einer – zumindest im westlichen Abendland – gründlich säkularisierten Lebenswelt überhaupt noch bei irgendjemandem Interesse an der Sache mit Gott zu wecken.
Diese – an sich kaum spektakuläre – Erkenntnis ist der Ausgangspunkt der szenischen Annäherung, die Peter Konwitschny auf der Bühne der Hamburger Staatsoper an jenes eher oratorisch gefasste als dramatisch schäumende Opern-«Endspiel» (Hans Mayer) versucht, das Schönberg unter dem Eindruck des deutsch-österreichischen Antisemitismus der zwanziger Jahre konzipierte und zwischen 1930 und 1933, gleichsam auf dem Weg ins Exil, in Arbeit hatte – ohne es je vollenden zu können. Was, so lautet Konwitschnys Kernfrage, könnte uns ...
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Clemens Krauss, damals noch Operndirektor in Frankfurt, winkte erst einmal ab, als ihm die Deutsche Erstaufführung von Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» (UA Prag, 1927) angeboten wurde. Das sei eine rein tschechische Angelegenheit, die in Deutschland keine Aussicht auf Erfolg habe. Als die Premiere dann kurz darauf im Stadttheater Breslau über die Bühne...
Braucht Moskau wirklich eine Inszenierung der «Lady Macbeth von Mzensk» im Bolschoi Theater, um den Wert dieses Stückes zur Debatte zu stellen? Dass das Meisterwerk des jungen Schostakowitsch selbst in Russland nicht mehr tabuisiert wird, haben eine konzertante Aufführung unter Mstislav Rostropowitsch und, noch deutlicher, eine szenische Aufführung im Jahr 2001 an...
Widerstreitend sind die Gefühle in Palermo. Ungetrübter Glanz einer hervorragend musizierten Verdi-Aufführung hätte sich entfalten können, steckte das Theater nicht in einer tiefen Krise. In Mailand oder Parma hätten die Opernfans den Protagonisten und Ralf Weikert am Pult Ovationen bereitet – hier bröckelt ein resigniertes Publikum ab und applaudiert müde.
In...
