Wie ein Blitz
Inszeniert in Russland ein Schauspielregisseur eine Oper, geht das meist daneben. Würde der vielgerühmte Konstantin Bogomolov hier eine Ausnahme bilden? Bogomolov ist in den letzten sechs, sieben Jahren zu Moskaus Kultregisseur aufgestiegen, seine provokanten, sozialkritischen Arbeiten am Künstler-Theater begeistern ein breites Publikum. Für Anton Getman, den neuen Intendanten des Stanislawski-Theaters, Grund genug, ihn an sein Haus zu bitten – für Händels «Il trionfo del Tempo e del Disinganno».
Bogomolov entschloss sich, das Oratorium in zwei Teile zu zerlegen.
Im ersten stürzen entsetzliche Bilder aus dem russischen Alltag auf den Zuschauer ein: die Ermordung eines Mädchens durch den besessenen Kannibalen Tschikatilo, Anfälle kranker Kinder, eine grausame Adoptivmutter, das leidenschaftliche Gebet eines frisch rekrutierten muslimischen Selbstmordattentäters vor der Explosion. All das ist kaleidoskopartig dargestellt, wobei die Aufeinanderfolge der Episoden von der inneren Logik der Assoziationen diktiert wird.
Die Übertitel geben eine geschönte Übersetzung des Librettos (der Verfasser: Wladimir Sorokin) wieder, während Bildschirmtexte an den Seiten das Geschehen detailliert ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Alexej Parin
Das Lamento ist beinahe so alt wie die Kunstform selbst. Die Oper, heißt es, sei auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Verstaubt, verzopft, verkrustet, zu sehr dem Kanon weniger Werke verhaftet. Diese Diagnose stellt neuerlich auch der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel in dem gemeinsam mit David Roesner herausgegebenen Buch «Gegenwart und Zukunft des...
Oft gleicht die Musikgeschichte einem Sommer in südlichen Ländern: Es blendet die Sonne, die Schatten sind tief. Deutlich sieht man jene, die im Licht steh’n. Die im Schatten erkennt man erst, wenn das Auge sich ans Dunkel gewöhnt. Dies gilt wohl – seinem Namen völlig widersprechend – auch für den Komponisten Hans Sommer (1837-1922), der bereits am Ende seines...
Über die gleißende Marmorfläche vor dem Königlichen Opernhaus Maskat zieht eine Poliermaschine träge Kreise; in der Mall, die dem Theater einen Teil seines Budgets generiert, langweilen sich die Verkäufer. Trüb dümpelt die Sonne im Dunst aus Meeresdampf und Wüstenstaub. Wer seine Sinne beisammen hat, beschränkt tagsüber seine Wege auf Arbeit und Moschee.
Am...
