Ein Komponist von Gottes Gnaden

Beethovens Zeitgenosse Gaspare Spontini rückt wieder in den Blickpunkt

Opernwelt - Logo

Immer wieder kann man lesen, bei der Berliner Erstaufführung von Spontinis monumentaler Oper «Olimpia» sei 1821 ein leibhaftiger Elefant aufgetreten. Das ist schlicht erfunden: Zwei kräftige Statisten halfen einer Attrappe auf die Beine. Anne Henrike Wasmuths Dissertation räumt nicht nur mit dieser «urbanen» Legende auf, sondern mit vielen Fehlurteilen über Spontinis späte Jahre. In Berlin war der Generalmusikdirektor meist wohlgelitten. Der Gegensatz von «Olimpia» und Webers «Freischütz» wurde erst später zum nationalistischen Fanal aufgeblasen.



In Wasmuths Topografie des kulturellen Berlins bleibt Spontinis Werk dennoch eine merkwürdige Leerstelle. Beim Vorhaben, nichts weniger als «Musikgeschichte» zu «schreiben», hat die (unausgesprochene) fixe Idee, Spontini um jeden Preis zu «rehabilitieren», zusammen mit extensiver «Faktendrescherei» (S. 342) das Zeug, den geduldigsten Leser zu verstimmen. Denn die Autorin betrachtet die vielen von ihr aufgeworfenen Fragen nur selten aus kritischer Distanz.

So lässt sie bei der Dokumentation der Berliner Debatten um den Vertreter einer anachronistisch gewordenen Operngattung einen entscheidenden Umstand unerwähnt: Das Engagement aus Paris ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Multiple Ströme

Europa hat ausgedient. Die blaue Sternenflagge taugt nur mehr als Tischtuch, als Unterlage für fettige Pommes und ein Sixpack Bier. Hamlet und Ophelia sitzen, mampfen und würgen. Zu sagen haben sie sich nichts, das Angebot von früher – «Lass mich dein Herz essen, Ophelia» – interessiert nicht mehr. Die Geschichte: ein Schlachtfeld. Der Mensch: verloren in Trümmern....

Apropos... Figur

Herr Carico, Ihr Durchbruch in Iannis Xenakis’ «Oresteia» war sängerisch begründet – aber nicht nur! Ein Szenenfoto mit freiem Oberkörper landete auf der Internet-Seite «barihunk.com» und erhielt die meisten Klicks des Jahres. Ist Ihnen das wichtig?
Ich bin wahnsinnig stolz darauf! Denn Sie wissen vielleicht nicht, dass ich vorher in kurzer Zeit 32 Kilo abgenommen...

Schmerzergreifend

Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten», dichtete Schiller 1795 fast stammbuchhaft. Etwa eineinhalb Jahrhunderte später freilich, nach 1945, galt das Lied vielen Tonschöpfern als antiquiert; sie ließen es allenfalls als Parodie weiterleben. Doch einige der avancierten Komponisten akzeptierten dieses Abdrängen in ein ästhetisches Getto...