Ehrenrettung
Mit seiner Interpretation von Emmanuel Chabriers Post-Offenbachiade «L’Étoile» ist Simon Rattle an der Berliner Staatsoper eine veritable Ehrenrettung gelungen. Die 1877 an der Opéra Comique uraufgeführte Opéra bouffe über Uff I., König der 36 Königreiche (das ist Wilhelm I., der die 35 Territorialstaaten des Deutschen Bundes zu einem Reich zusammenzwang), war schon immer ein Geheimtipp, der aber nie recht zünden wollte. Für eine Offenbachiade ist die 100-minütige Partitur zu arm an Ohrwürmern. Und die Ohrwürmer, die es gibt, sind zu kurz.
Rattle ergänzte sie um Chabriers «Souvenir de Munich» (eine «Tristan»-Paraphrase mit Kuhglocke) als Umbaumusik, horchte sie mit einer Sorgfalt aus, die einer Brahms-Sinfonie angemessen gewesen wäre, und legte damit offen, dass «L’Étoile» nicht von Offenbachs schnellem Witz her zu verstehen ist, sondern auf die gefühlvolle Stimmungsmalerei der sinfonischen Operette vorausdeutet. Anstelle des Melodienreichtums legte er einen Reichtum an Orchesterwirkungen und mikroskopisch kleinen Melodie-Partikeln frei. So entwickelten etwa im Kitzel-Duett die kleinen Venusberg-Wirbel aus Wagners «Tannhäuser», mit einer laut hervortretenden Glockenspiel-Melodie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Verdis «Otello» einem Schauspielregisseur anzuvertrauen, der seinen Shakespeare kennt, ist eine naheliegende Idee. Und da die Musik vom ersten bis zum letzten Takt szenisch und auch räumlich konzipiert ist, muss sich auch ein relativer Opernneuling keine handwerkliche Blöße geben, wenn er nur zu lesen und zu hören versteht. Andreas Kriegenburg, derzeit...
Einmal erst hatte sich der bildmächtige Theaterzauberer Achim Freyer zuvor mit Wagner auseinandergesetzt: 1994 kam in Brüssel ein traumverlorener «Tristan» heraus. Nun hat Freyer in Los Angeles sein «Ring»-Projekt abgeschlossen. Es steckt voller poetischer, ja visionärer Kraft, die frischer wirkt als manches, was druckfrisch aus der Notenwerkstatt kommt – etwa Jake...
Herr Gallo, können Sie uns erklären, warum die großen italienischen Sänger bisher einen Bogen um den Grünen Hügel gemacht haben?
Das liegt allein an der italienischen Gesangsschule, die den Sängern immer eingetrichtert hat, es wäre gefährlich, in einer anderen Sprache als Italienisch zu singen. Noch zu meiner Studienzeit bestand der Unterricht in den Konservatorien...
