Bartoli im Schlafzimmer
Der zweite Akt von Rossinis vorletzter Oper spielt im Schlafzimmer. Das bedeutete 1828 sogar in Paris einen Tabubruch, zumal wenn der schürzenjagende Titelheld sich dort handgreiflich der Schlossherrin zu nähern versucht.
Wohl in keiner Oper vor Offenbachs «La belle Hélène» wird so viel schlüpfrige Erotik gezeigt – geradezu atemberaubend in dem Terzett, in dem die Avancen des Comte im nächtlichen Dunkel versehentlich seinem eigenen Pagen gelten, der neben derselben Comtesse liegt, die auch der Jüngere verführen will… Die Kreuzfahrer kehren da gerade noch rechtzeitig heim, um dem unmoralischen Treiben Einhalt zu gebieten. Dennoch bleiben unaufgelöste Ambivalenzen, wird doch der vom Titelhelden umarmte und geküsste Page auf der Bühne von einer Frau verkörpert.
Das Regie-Tandem Moshe Leiser/Patrice Caurier versetzt dieses Spiel mit verbotenen Früchten, das so gar nicht in die sittenstrenge Restaurationszeit zu passen scheint, in die französische Provinz zur Zeit des Algerien-Kriegs. Buntscheckige Kostüme und fantasievolle Bühnenbilder machen deutlich, wie viel unterdrückte Triebe sich in einer ach so sittenstrengen Gesellschaft angestaut haben: Im ersten Akt verlustiert sich der Comte ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anselm Gerhard
Mit ihren knapp zwei Stunden Musik scheint sich die Oper «Senso» eher am Format eines Liebesfilms zu orientieren als an dem einer festlichen Grand Opera, wie man sie anlässlich der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der italienischen Einheit erwarten würde. Episch ist sie also nicht, zumal die Handlung auf Camillo Boitos 1883 veröffentlichtem gleichnamigen...
«Eine feinere Operette» wollte Richard Strauss nach eigenem Geständnis mit »Die Liebe der Danae» schaffen, etwas Leichtes, «preziös» Ironisches in der Nachfolge Offenbachs. Bereits 1920 hatte ihm Hugo von Hofmannsthal einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, aber da zeigte sich der Komponist noch uninteressiert. Man kann nur spekulieren, wie diese Oper ausgesehen...
Helene Steffan, die langjährige Tonmeisterin des Bayerischen Rundfunks, war eine resolute, ja gefürchtete Dame. Ihrem Ohr entging nicht der kleinste Fehler, und sie hatte keine Hemmungen, auch weltberühmten Künstlern deutlich zu sagen, was da gerade an Schludrigkeiten in die Mikros geschwappt war. Schwärmen oder Verklären war ihre Sache nicht. Doch in einem Fall...
