«Ich brauche das Publikum»
Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam einen Tag vorher. Sie hielt ihn zunächst für einen Witz. Eine Frauenstimme meldete sich als Assistentin Christian Thielemanns und fragte, wie viele Stücke des Silvesterprogramms am 30. Dezember sie draufhabe.
Diana Damrau, die vorgesehene Sopranistin, fühle sich nicht gut. Ganz unverbindlich zunächst, die Frage. Fünf Stücke hatte Ingeborg Schöpf schon gesungen, vier nicht. Die lernte sie sofort, holte drei Kleider aus ihrer Garderobe und dachte noch lange nicht an eine echte Chance. Am nächsten Tag übernahm sie für Damrau mittags die öffentliche Generalprobe. Erst danach kam die endgültige Absage. Und die ultimative Chance. «Keine Sorge, ich bin bei dir», sagte Thielemann. Das war er dann auch. Stieg vom Pult, kam ganz nah, folgte ihrem Atem, gab ihn an das Orchester weiter. Zehn Jahre lang war Ingeborg Schöpf als ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Stephan Mösch
Irgendwann hatte man in Rom von den Opernscharmützeln im fernen Süden offenbar genug. Am 4. Dezember 2012 griff der italienische Kulturminister Lorenzo Ornaghi durch und ernannte Fabio Carapezza Guttuso, einen hohen Staatsbeamten und Präfekten, zugleich Adoptivsohn des verstorbenen Malers Renato Guttuso, für zunächst sechs Monate zum kommissarischen...
Gerötete Gesichter, glasige Blicke – fast ist man überrascht, in der Pause nicht jedermanns Haar steil nach hinten geföhnt zu sehen vom Sturm der Töne. Operndirektor Jan Michael Horstmann lässt aus dem Graben die Zirkusmusik von Wagners «Jugendsünde» schrillen, fröhlich kräht dazu der Chor, monströse Brüllarien ziehen vorüber: In der «großen komischen Oper» Das...
Aus einer Mauernische am Alten Platz in Klagenfurt löst sich eine dunkle Gestalt und bettelt mit weichem slawischen Akzent um ein paar Cents. Wohl eine Roma aus der Slowakei. Lustig ist das Zigeunerleben? Es kann kein Vergnügen sein, bei Minusgraden stundenlang für ein paar Euro auszuharren, um sie dann vermutlich abzuliefern. Wir sind auf dem Weg zu Johann...
