Aus der Werkstatt
Eigentlich haben sie in der vergangenen Saison nur das getan, was sie immer tun. Genau hingeschaut. Sich tief in Stücke und Stoffe versenkt, in Geschichten und Figuren. Alle Kraft für «ihre» Künstler, für «ihr» Theater reserviert. Doch diesmal ist Intendant Jossi Wieler und Chefdramaturg Sergio Morabito eine Saison geglückt, die noch lange nachhallen dürfte. Nicht nur mit den eigenen Arbeiten («Fidelio», «I puritani»), sondern auch mit dem Engagement von Gastregisseuren wie Kirill Serebrennikov («Salome») oder Nicola Hümpel («Reigen»).
Diversität szenischer und musikalischer Handschriften, Stabilität im Ensemble und Betrieb – mit dieser Mischung lassen sich Berge versetzen. Das «Opernhaus des Jahres» steht in Stuttgart.
Herr Wieler, Herr Morabito, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, als festes Team Oper zu inszenieren?
Wieler: Es hat mit einem Angebot von Klaus Zehelein angefangen. Eines Tages fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, zusammen mit Anna Viebrock Mozarts «La clemenza di Tito» auf die Bühne zu bringen. Zehelein hatte 1991 die Leitung der Oper Stuttgart übernommen, zwei Jahre später machte er mir den Vorschlag; die Premiere war für Frühjahr 1994 ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 4
von Albrecht Thiemann & Uwe Schweikert
Sie kommen aus einer Musikerfamilie. Ihre Mutter ist die dänische Opernsängerin Inge Dreisig, auch Ihr Vater war Sänger. So mancher will da bewusst etwas anderes machen. Sie nicht?
Für mich war die Oper eine Welt voller Wunder, auch wenn ich wusste, da wird harte Arbeit geleistet. Mit sechs Jahren fing ich im Kinderchor an, an der Opéra Royal de Wallonie – ich bin...
Ein König, der von einem Wurzelgemüse entthront wird. Ein Sexualverbrechen inmitten von Marien-Mystik. Heiner Müller in den Ruinen Europas. Schrille Stoffe, an die sich schon lange niemand mehr traute. Aber nun hat die Opéra de Lyon Offenbachs «Le Roi Carotte» (1872) heiter eingedampft, das Theater Freiburg Wolf-Ferraris Neapel-Thriller «Der Schmuck der Madonna»...
Wenn man ein wenig faustisch angefixt ist, wird man in Karlheinz Stockhausens erster «Licht»-Oper, dem «Donnerstag», unschwer die gute alte Goethe-Konstellation wiedererkennen. Es geht um den Gottes- und Menschensohn Michael und um Luzifer, sein Alter Ego und Gegenspieler; dazwischen Eva, «die Frau» – mal Mutter, mal Geliebte, jedenfalls ausgleichendes Element....
